Jeden Morgen das Gleiche: Wieder ist das Haarsieb in der Dusche voll, mal ganz abgesehen von jenen Haaren, die sich für jeden sichtbar im Laufe des Tages auf den Schultern verteilen. Ein ernüchternder Anblick für viele Betroffene, wenn die einst so volle Haarpracht unaufhaltsam ausdünnt und die Kopfhaut zunehmend durchscheint – ein Problem, das sowohl Männer als auch Frauen betreffen kann. Laut einer von POPpulse im Februar 2020 veröffentlichten bundesweiten Umfrage gab jeder Fünfte der Befragten an, bereits unter Haarausfall gelitten zu haben. Nicht selten geht damit ein großer Leidensdruck einher. Denn klar ist: Dichtes Haar ist nicht nur ein Schönheitsideal. Es steht schlicht und einfach für Jugendlichkeit, Gesundheit und Vitalität.
Anlagebedingter und kreisrunder Haarausfall
Doch wie kommt es eigentlich dazu? Mit 95 Prozent die am meisten verbreitete Form ist der anlagebedingte Haarausfall, auch androgenetische Alopezie genannt. Während beim männlichen Geschlecht die Kopfhaarwurzeln überempfindlich auf das männliche Geschlechtshormon Dihydrotestosteron reagieren und somit schrumpfen, ist die Ursache für die anlagebedingte gesteigerte Androgen-Empfindlichkeit der Haarwurzel bei Frauen noch nicht eindeutig geklärt. Ähnlich beim kreisrunden Haarausfall, wovon Frauen und Männer gleichermaßen betroffen sein können. Dermatologen, die beim Thema Haarausfall in der Regel Ansprechpartner sind, gehen von einer Autoimmunreaktion aus, wobei sich die Abwehrzellen gegen Zellen in den Haarwurzeln richten. Folge: eine lokale Entzündungsreaktion, die das Haarwachstum stört und schließlich zu runden kahlen Stellen am Kopfhaar führt. Mitunter kann jedoch auch eine gestörte Schilddrüsenfunktion sowie ein Eisen- oder Zinkmangel hinter allgemeinem Haarausfall stecken, welcher sich gezielt behandeln lässt.
Haarsprechstunde gibt Aufschluss
Was also tun, wenn die Haarpracht immer lichter wird? Während einige Männer nicht lange fackeln und dem täglichen Grauen mit einem Kahlschlag ein Ende setzen, versuchen andere alles – sei es mit Tinkturen oder Tabletten –, um noch etwas zu retten. Je früher die richtige Diagnose gestellt und eine Therapie eingeleitet wird, desto größer ist die Chance, möglichst viele Haare zu erhalten. Wichtig zu wissen: Auch wenn mittels bestimmter Medikamente gerade erblich bedingter Haarausfall gestoppt werden kann, ist es ratsam, immer ärztliche Expertise etwa in einer Haarsprechstunde einzuholen – entscheidend, um mögliche Nebenwirkungen zu kennen und gegebenenfalls die Therapie abzubrechen.
Letzte Alternative: Haartransplantation
Setzt keine Besserung ein, besteht die Möglichkeit der Haartransplantation. Was bei Fußballtrainer Jürgen Klopp und Politiker Christian Lindner vor einigen Jahren noch Seltenheitswert hatte, setzte sich zuletzt immer mehr durch. Gemäß aktuellster Zahlen der International Society of Hair Restoration Surgery wurden im Jahr 2016 weltweit rund 635.000 Haartransplantationen durchgeführt, davon knapp 80.000 in Europa – Tendenz stark steigend. Das Prinzip: Aus dem hinteren Haarkranz wird Eigenhaar samt Haarwurzel entnommen und in den vorderen Haarbereich, etwa im Bereich der sogenannten Geheimratsecken eingesetzt. Vorteile dieser Methode sind die fast immer überzeugenden Resultate sowie die äußerst geringen Komplikationen. Allerdings heißt es, geduldig zu sein. Denn zumeist dauert es bis zum finalen Ergebnis zwischen neun und zwölf Monaten.