Zahnarzt Karsten Fischer (59) stand mitten im Leben, als ein Symptom keinen Aufschub duldete: Blut im Urin. Die Diagnose Urothelkarzinom – Blasenkrebs – traf ihn völlig unvorbereitet. „Ich hätte nie gedacht, dass mich das betreffen könnte“, sagt er. Initiativen wie „Rot heißt reden“ setzen hier an: Sie schärfen das Bewusstsein, das Warnsignal sofort ernst zu nehmen, denn eine frühe Diagnose ist oft entscheidend für den Behandlungserfolg.
Der Bruch der Sicherheit
Für Fischer folgten Operation, Tumor-Entfernung, Reha. Er hoffte, das Kapitel damit schließen zu können. Doch die Sicherheit zerbrach Wochen später an einem Kontroll-CT: Es zeigte Schatten auf der Lunge. Damit war für den behandelnden Professor klar: „Wir empfehlen eine Chemotherapie.“ Dieser Satz entzog Fischers Zuversicht den Boden. Während er die Operation als notwendiges Handwerk akzeptierte, war die Chemotherapie für ihn ein „Phantom des Kontrollverlusts“.
Alltag statt Ausnahmezustand
Doch die Diskrepanz zwischen Erwartung und klinischer Realität hätte kaum größer sein können. Das Bild des Patienten, der permanent unter heftiger Übelkeit und Erbrechen leidet, bewahrheitete sich für Fischer nicht. „Die Szenen, in denen man nur über der Schüssel hängt, blieben mir erspart“, resümiert er. Dank moderner Begleitmedikation blieb Fischer handlungsfähig. Statt sich zu isolieren, hielt er an Strukturen fest: Er ging regelmäßig in die Praxis, erledigte Büroarbeiten und verteidigte so ein Stück Lebensqualität gegen die Krankheit. Zwar forderten Müdigkeit und temporäre Taubheitsgefühle ihren Tribut, doch Fischer begriff sie nicht als Niedergang, sondern als Investition in die Genesung. Im zweiten Kontroll-CT zeigte sich schließlich, dass die Schatten rückläufig waren. „Das hat mir Auftrieb gegeben.“
Ein Vertrag mit der Zukunft
Dass die Krankheit nicht mehr seine Gedanken dominierte, zeigte eine beiläufige finanzielle Entscheidung: Kurz nach der Chemotherapie finanzierte Fischer ein neues Auto über mehrere Jahre. Erst auf dem Heimweg wurde ihm die Tragweite bewusst, denn im Moment des Kaufs hatte er völlig vergessen, dass er Krebspatient war. Er hatte intuitiv auf Zukunft gesetzt. Heute arbeitet Karsten Fischer wieder voll in seiner Zahnarztpraxis. Sein Rat zur Chemotherapie: „Machen. Ich würde auf jeden Fall dazu raten.“ Die Chemotherapie war kein Spaziergang, aber für ihn war sie das Ticket zurück ins Leben.