Herr Prof. Weil, was kann man sich unter einer renalen Denervation vorstellen?
Bei der Regulation des Blutdrucks spielen Hormone, Kreislauf, Herz, aber auch das vegetative Nervensystem eine entscheidende Rolle. Genau hier setzt die renale Denervation an – ein minimalinvasives kathetergestütztes Verfahren, bei dem Nervenfasern an der Niere durch Verödung abgeschaltet werden. Durch Unterbrechung dieser Fasern zwischen dem zentralen Nervensystem und der Niere in beiden Richtungen sind die sogenannten Sympathikusnerven nicht mehr in der Lage, blutdruckerhöhende Signale zu senden. Es kommt zu einer Blutdrucksenkung.
Wie läuft diese unter Kurznarkose stattfindende Verödung ab?
Bei diesem äußerst schonenden Eingriff, der in der Regel etwa eine Stunde dauert, wird über die Leistenarterie ein kleiner Hohlschlauch bis zur Nierenarterie geführt. Auf diese Weise können wir einen Ablationskatheter bis an die Arterienwand vorbringen und über vier Elektroden 60 Sekunden lang Radiofrequenz-Energie abgeben. Bei Temperaturen zwischen 50 und 70 Grad versuchen wir, in der Arterie und bei vorhandenen Seitenästen so viele Nervenfasern wie möglich zu modulieren.
Für wen kommt diese Therapie infrage?
Bei Betroffenen, die trotz veränderten Lebensstils – also mehr sportlicher Aktivität, Gewichtsabnahme und weniger Salzkonsums – und der Einnahme von mindestens drei Blutdruckmedikamenten einen nicht gut eingestellten Blutdruck haben. Zudem ist die renale Denervation eine gute Option, wenn Blutdruckmedikamente nicht vertragen werden.
Gibt es Nebenwirkungen, die zu beachten sind?
Grundsätzlich ist dieser Eingriff komplikationsarm. Nicht abladiert werden sollten Blutdruckpatienten, bei denen eine sekundäre Ursache vorliegt, also der erhöhte Blutdruck etwa durch Erkrankungen der Nieren oder der Schilddrüse verursacht ist. Ebenso sieht man bei Veränderungen an den Nierengefäßen, wie etwa Plaques, von einem Eingriff ab.
Welche positiven gesundheitlichen Auswirkungen sind durch eine renale Denervation möglich?
Studien zeigen eine Blutdrucksenkung um zehn Millimeter Quecksilbersäule. Unsere Langzeitmessungen bringen bei einem gesamtheitlichen Ansatz sogar Verringerungen von bis zu 20 mmHg. Das heißt in der Praxis: Sinkt der Blutdruck etwa um zehn mmHg, bedeutet dies, dass die relative Häufigkeit von Schlaganfällen und Herzinsuffizienz jeweils um ungefähr 30 Prozent reduziert werden kann. Hinsichtlich eines tödlichen Verlaufs ist ein Rückgang um 13 Prozent zu verzeichnen. Es gibt aktuell über 50 Referenzzentren für RDN in Deutschland.