Wer an Blasen- oder Darmkrebs erkrankt ist, kommt in der Regel nicht um eine Operation herum. In vielen Fällen kann damit den Betroffenen geholfen werden, die Tumorerkrankung in den Griff zu bekommen. Trotz dieser wichtigen Nachricht bleibt ein Wermutstropfen, gerade wenn tumorbedingt der Schließmuskel ebenso entfernt werden muss und der Stuhlgang nicht mehr zurückgehalten werden kann. Um ein Herauslaufen zu vermeiden, wird der Anus dauerhaft verschlossen und der Dickdarm über eine operativ geschaffene kleine künstliche Öffnung in der Bauchdecke ausgeleitet – auch Colostoma genannt.
Colostoma Hygienisch bedenkenlos
Bei rund 70 Prozent aller Betroffenen ist eine Krebserkrankung der Grund für einen künstlichen Darmausgang. Ein Stoma – das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Mund“ oder „Öffnung“ – kann jedoch auch nach Unfällen mit Verletzung der Blase (Urostoma) oder bei Morbus Crohn zum Einsatz kommen. Bei dieser chronisch-entzündlichen Darmerkrankung kann es notwendig werden, den betroffenen Darmabschnitt temporär auszuschalten, damit dieser sich von der Entzündung erholt. Ein sogenanntes Ileostoma ist eine operativ angelegte Öffnung in der Bauchdecke, durch die ein kleines Stück des Dünndarms (Ileo) nach außen auf die Hautoberfläche geführt wird.
Wichtig zu wissen: Grundsätzlich verfügen Stomas an der Austrittsstelle über einen an der Haut haftenden geruchsundurchlässigen, flachen Auffangbeutel, in dem sich der Stuhlgang sammelt. Alternativ dazu besteht die Möglichkeit, mit einem bis zu 48-stündigen Einlauf über das Stoma den Darm anzuregen, sich zu entleeren. So kann in vielen Fällen das Stoma mit einer flachen Kappe abgedeckt und ein bis zwei Tage auf das Tragen eines Beutels verzichtet werden.
Selbstbewusstes Auftreten
Klar ist: Das Tragen eines künstlichen Darmausgangs oder einer Harnableitung bedeutet einen immensen Einschnitt im Leben. Neben dem veränderten körperlichen Aussehen haben die Betroffenen Furcht, nicht mehr vollwertige Partner in Familie, Beruf und Gesellschaft sein zu können und stigmatisiert zu werden. Laut einer im Mai veröffentlichten US-Studie von Wakefield Research und Convatec unter 200 Patientinnen und Patienten und 200 Krankenschwestern empfinden 87 Prozent der Erkrankten ein gewisses Maß an Stigmatisierung. Zudem ist es 44 Prozent der Befragten peinlich, wenn sie über ihren aktuellen Gesundheitszustand sprechen. 43 Prozent bedauern, dass ihre Erkrankung kaum in den Medien vorkommt – Ergebnisse, die laut Karim Bitar, CEO von Convatec, verdeutlichen, dass mehr im Kampf gegen die Stigmatisierung zu tun ist. „Dies geht am besten, indem wir aufzeigen, wie unsere Patienten selbstbewusst leben, indem wir gegenseitige Unterstützung anbieten und wir Gespräche zwischen Freunden, Familie und Pflegeteams erleichtern.”