Jeder COPD-Schub hat einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.
Chronischer Husten, Schleimbildung, Atemnot bei körperlicher Anstrengung und im Verlauf auch ohne Belastung – wer solche Beschwerden bei sich wahrnimmt, sollte unbedingt einen Blick auf seine Lunge werfen lassen. Dahinter kann eine Erkrankung des Atemorgans stecken, die allerdings nichts mit einer, meist durch Erkältungsviren ausgelösten, Bronchitis zu tun hat. Die Rede ist von der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD, engl. „chronic obstructive pulmonary disease“) einer der häufigsten Todesursachen in Deutschland – mit jährlich rund 30.000 Verstorbenen – wie auch weltweit.
Hauptrisikofaktor ist Rauchen
„Die COPD ist eine Volkskrankheit, an der in Deutschland mittlerweile mehr als sieben Millionen Menschen leiden“, sagt Univ.-Prof. Dr. med. Felix Herth, Chefarzt Pneumologie/Beatmungsmedizin und Ärztlicher Direktor der Thoraxklinik Heidelberg. „Rauchen ist weiterhin der häufigste Risikofaktor für die Entwicklung einer COPD, jedoch haben bis zu 20 Prozent der Erkrankten nie geraucht.“
Schädliche Stoffe, wie die in Tabakwaren, stellen einen Reiz für die Bronchien dar, der über die Jahre zu einer Entzündung der Schleimhaut und in der Folge zu einer Verengung und Vernarbung der Bronchien führen kann. Bei einigen Patientinnen und Patienten sind auch die Lungenbläschen betroffen, sodass auf Dauer ein Sauerstoffmangel entsteht. Betroffene Personen leiden dann an COPD mit Lungenemphysem. Aber auch die Inhalation von Schadstoffen, etwa am Arbeitsplatz, und Luftverschmutzung können das COPD-Risiko erhöhen. Übrigens: Auch für den Konsum von E-Zigaretten und erhitzten Tabakerzeugnissen zeigen sich laut einer aktuellen Metaanalyse signifikante Zusammenhänge mit respiratorischen Langzeitschäden. Bei aktuellen E-Zigaretten-Nutzenden lag das Risiko um 47,3 Prozent höher als bei Personen ohne Konsum.1
Unterschätzt: moderate Schübe
COPD entwickelt sich meist schleichend und verläuft in Schüben, bei denen sich die Symptome akut verschlechtern. Eine im Juli 2025 publizierte Übersichtsstudie unter Beteiligung des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) zeigt: Bereits eine moderate akute Krankheitsverschlechterung verdoppelt das Risiko für weitere Krankheitsschübe, sogenannte Exazerbationen, in den folgenden drei Jahren, und das Sterberisiko steigt um fast ein Drittel. So ist zum Beispiel die Gefahr für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzversagen signifikant erhöht. Daher seien, so die Forschenden, eine bessere Vorbeugung, frühe Detektion und strukturierte Versorgung von Erkrankten das A und O.2
COPD-Früherkennung: KI-gestützte Biomarker-Analyse
COPD ist nicht heilbar, aber die Beschwerden lassen sich abmildern und eine Verschlimmerung bestenfalls verlangsamen. Medikamente, Bewegung und ein gesunder Lebensstil wirken dabei am besten in den Anfangsstadien. Bislang gibt es bis heute keine Methode, um den Krankheitsverlauf ganz aufzuhalten oder gar umzudrehen. In Zukunft könnte zumindest der Verlauf respektive eine akute Verschlechterung der COPD vorausgesagt werden – und zwar mit einem prädikativen Urin-Test der auf künstlicher Intelligenz (KI) beruht. „Es wäre besser, wenn wir einen Anfall frühzeitig erkennen könnten, bevor er eintritt, und dann die Behandlung individuell gestalten könnten, um den Anfall entweder zu verhindern oder seine Auswirkungen zu verringern“, sagt Studienleiter Prof. PhD Chris Brightling von der University of Leicester (Großbritannien).3
Im Urin von COPD-Erkrankten identifizierte das Forscherteam fünf relevante Biomarker, die im Zusammenhang mit einem akuten Schub stehen. Auf Basis einer KI-Analyse der in regelmäßigen Abständen via Smartphone eingereichten Ergebnisse aus den Urinproben konnte eine Exazerbation etwa sieben Tage vor dem Auftreten jeglicher Symptome vorhergesagt werden. „Wir müssen nun noch mehr Arbeit investieren, um den KI-Algorithmus mit Daten einer größeren Patientengruppe zu verfeinern“, so der Forscher.
Fazit:
COPD ist eine weit verbreitete und lebensverkürzende Erkrankung, deren Verlauf maßgeblich von vermeidbaren Risiken wie Rauchen und Schadstoffexposition geprägt wird. Besonders tückisch: Schon moderate Exazerbationen erhöhen Sterbe- und Folgerisiko deutlich – deshalb zählen Prävention, frühe Warnzeichen und eine konsequente, strukturierte Behandlung. Der vorgestellte KI-gestützte Urin-Test, der Schübe Tage vor Symptombeginn prognostizieren könnte, ist vielversprechend, befindet sich aber noch in der Validierung. Bis solche Tools etablierter Bestandteil der Versorgung sind, bleibt das Wichtigste: Rauchstopp, Impfungen (z. B. gegen Influenza und Pneumokokken), körperliches Training, leitliniengerechte Inhalationstherapie und das Meiden von Schadstoffen. Wer anhaltenden Husten, vermehrten Auswurf oder Atemnot bemerkt, sollte ärztlich abklären lassen – je früher, desto besser. So lassen sich Beschwerden lindern, Schübe reduzieren und Lebensqualität erhalten.