Die Haut ist unser größtes Organ: Bei Erwachsenen kommt die schützende Hülle des Körpers auf eine Fläche von rund zwei Quadratmetern. Würden wir uns wie eine Schlange häuten und das Überbleibsel auf eine Waage legen, würde diese ganze 10 bis 14 Kilogramm anzeigen. Beeindruckend sind aber auch die vielseitigen Aufgaben der Haut: Sie schützt den Organismus vor Keimen, Austrocknung und Sonneneinstrahlung und reguliert den Temperatur- und Feuchtigkeitshaushalt des Köpers. Trotzdem behandeln wir unsere Haut oft stiefmütterlich: Wir setzen sie ungeschützt UV-Strahlung aus, erhöhen damit das Risiko für Hautkrebs und fördern eine frühzeitige Alterung. Wir pflegen sie gar nicht, zu viel oder falsch. Und wir vergessen gerne, wie wichtig eine gesunde Ernährung für ihre Gesundheit und Funktionalität ist. Die Strafe folgt prompt: Heutzutage leidet beinahe jeder zweite Erwachsene unter Hautproblemen – von Unreinheiten über Trockenheit bis hin zu Altersflecken.
Haut altert
Apropos: Ob man will oder nicht, die Alterung der Organe, so auch der Haut, ist ein Prozess, der genetisch programmiert ist. Was passiert dabei mit unserer Körperhülle? Dazu ein Blick auf die Lederhaut: Diese Hautschicht besteht primär aus Bindegewebszellen, den sogenannten Fibroblasten, und Bindegewebsfasern aus Kollagen und Elastin. Sie machen die Haut prall, den Teint frisch. Im Alter jedoch sinkt deren Anzahl. Zudem teilen sich die Zellen der Oberhaut nur noch alle 50 statt, wie in jungen Jahren, alle 27 Tage. Die Haut und das Unterhautfettgewebe werden dünner, der Wasser- und Fettgehalt nimmt ab. Auch die Versorgung der Haut mit Nährstoffen geht zurück. Spätestens ab 40 braucht die Haut Unterstützung durch besondere Pflegestoffe. Damit allein ist es aber nicht getan: Dass die Haut an Elastizität und Spannkraft verliert und Falten sowie Pigmentstörungen auftauchen, dafür sind nämlich auch externe Faktoren wie beispielsweise UV-Strahlung und Umweltverschmutzung sowie Lebensstilfaktoren wie Stress, Rauchen und Ernährung mitverantwortlich. Übrigens alles Faktoren, die auch bei vielen Hautkrankheiten eine Rolle spielen können.
Dermatosen: Einfluss auf die Lebensqualität
Fakt ist: Ein Großteil der akuten und chronischen Hautkrankheiten ist für die Betroffenen und ihr soziales Umfeld belastend, einige – wie das Stevens-Johnson-Syndrom – sind lebensbedrohlich, bei vielen Erkrankten ist die Lebensqualität andauernd sehr einschränkt. Sie leidet auch, weil Hautkrankheiten bei Mitmenschen häufig ein ablehnendes Verhalten auslösen. Die Folgen: Stigmatisierung, Diskriminierung, emotionales Leid. Ansteckend oder aufgrund mangelnder Hygiene: Wie sehr Menschen in Deutschland mit Vorurteilen gegenüber Hauterkrankungen behaftet sind, hat ein Forscherteam um Dr. Rachel Sommer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) untersucht. Die Ergebnisse der repräsentativen Umfragen sprechen eine klare Sprache: So wollten mehr als die Hälfte der Befragten Menschen, die etwa an Psoriasis leiden, nicht die Hand geben. Ähnlich viele dachten, dass sich Menschen mit Schuppenflechte besser pflegen müssten.
Aus diesem Verhalten des Umfelds heraus entsteht oft zusätzlich eine Selbststigmatisierung. „Selbststigmatisierung entwickelt sich immer auf Basis dessen, was Menschen glauben, wie die Welt auf sie reagiert“, erklärt Sommer. Diese Annahme werde dann verinnerlicht, und es komme in der Folge zur Selbstverurteilung: Betroffene Menschen schämen sich und leiden darunter. Angststörungen und depressive Symptome können die Konsequenz sein, so die Forscherin.
Bessere Versorgung
Werden Anzeichen von Hauptproblemen und -erkrankungen erkannt und richtig gedeutet, lässt sich eine Vielzahl von ihnen früh und erfolgreich behandeln – vor allem durch eine ganzheitliche Betrachtung und die Entwicklung neuer Medikamente für schwere Hautkrankheiten, etwa Biologika, die sehr spezifisch ins Immunsystem eingreifen. Dennoch sind viele weit verbreitete Hautkrankheiten (noch) nicht heilbar und somit ein lebenslanger Begleiter der Betroffenen. Nicht nur der Bedarf an medizinischer Versorgung bleibt in Zukunft hoch, auch der an Aufklärung und Forschung. Nicht ohne Grund haben im Mai 2025 alle WHO-Mitgliedsstaaten mit der Resolution „Skin diseases as a global public health priority“ die Priorität von Hautkrankheiten in der Gesundheitsversorgung auf die internationale und nationale politische Agenda gesetzt. Gut so, denn Resolutionen beispielsweise zu Psoriasis oder zu „vernachlässigten tropischen Erkrankungen“ waren in der Vergangenheit die entscheidenden Instrumente, dass sich etwas getan hat – etwa in Deutschland mit dem weltweit größten Programm zur besseren Versorgung von Menschen mit Psoriasis. „Gerade die Erfahrungen mit der Psoriasis-Resolution lassen uns optimistisch in die nächsten Monate schauen“, meint Prof. Dr. med. Swen Malte John, Leiter der Abteilung Dermatologie der Universität Osnabrück und Mitglied des WHO-Komitees International League of Dermatological Societies (ILDS). „Wir werden gezielt auf die Akteure im Gesundheitswesen zugehen, um Projekte und Maßnahmen für eine bessere Versorgung von Menschen mit Hauterkrankungen zu initiieren.“ Hierzu zählen: der weitere Abbau der Stigmatisierung, ein besserer Zugang zu einer leitliniengerechten Versorgung, eine Verbesserung der Versorgung von schwer Hautkranken und eine stärkere Patientenorientierung. Gute Aussichten für die Millionen von Betroffenen – in Deutschland und weltweit.