Wie kommt es zu einem DMÖ im Rahmen einer diabetischen Netzhauterkrankung?
Erhöhte Blutzuckerwerte schädigen langfristig die feinen Blutgefäße der Netzhaut. Die Folge: Flüssigkeit tritt in die Netzhautmitte aus. Das ist verheerend, denn die Makula ist für das scharfe und zentrale Sehen verantwortlich. Das Gewebe schwillt an, und es entsteht ein DMÖ. Das Sehvermögen, vor allem in der Bildmitte, kann dadurch deutlich beeinträchtigt werden.
Wie erkennen Betroffene frühzeitig die Symptome eines DMÖ?
Ein DMÖ entwickelt sich oft schleichend. Erste Anzeichen sind leicht verschwommenes oder verzerrtes Sehen, wenn zum Beispiel die Fugen im Bad krumm erscheinen. Oft haben sie Schwierigkeiten beim Lesen oder Erkennen von Gesichtern. Auch die Wahrnehmung von alltäglichen Dingen im zentralen Blickfeld werden zum Problem. Ebenso möglich: eine erhöhte Blendempfindlichkeit und dunkle Flecken im Gesichtsfeld. Da die Symptome oft erst spät auftreten, sind regelmäßige augenärztliche Kontrollen wichtig. Beschwerden werden häufig spät bemerkt, weil ein gesundes Auge den Sehverlust eines kranken Auges lange und unbemerkt ausgleichen kann. Neben der Untersuchung am Auge selbst erlaubt die Optische Kohärenztomographie, kurz OCT, Flüssigkeitsansammlungen in der Netzhaut schon früh sichtbar zu machen. Bei Verdacht auf ein DMÖ zeigt die Fluoreszenzangiografie mit einem injizierten Farbstoff, wo die Gefäße undicht sind, ähnlich wie bei einem Fahrradschlauch, den man ins Wasser taucht, um die undichte Stelle zu lokalisieren.
Welche Auswirkungen hat ein DMÖ auf die Lebensqualität?
Einschränkungen des Sehvermögens wirken sich häufig unmittelbar auf die Selbstständigkeit und das Sicherheitsgefühl im Alltag aus, besonders da viele Betroffene noch aktiv im Berufsleben stehen. Das Sehen ist für uns Menschen einer der wichtigsten Sinne. Deshalb ist die Angst um das Sehvermögen tief sitzend und belastend. Die häufigen Arztbesuche, auch aufgrund weiterer Diabetes-Folgeerkrankungen, sowie die soziale und berufliche Lebenssituation stellen eine große Herausforderung dar. Die Untersuchungs- und Therapielast kann hoch sein und die Motivation für eine langfristige Behandlung beeinträchtigen. Umso wichtiger ist es, Betroffenen mithilfe moderner Therapiemöglichkeiten vertrauensvoll einen gemeinsamen Weg aufzuzeigen. Je früher die Diagnose gestellt und die Behandlung begonnen wird, desto besser sind die Chancen, das Sehvermögen zu erhalten beziehungsweise sogar zu verbessern und damit die Lebensqualität zurückzubringen. Auch der Erhalt der Fahrtüchtigkeit für berufstätige Patienten ist im Alltag ein wichtiger Faktor.
Was sind die Behandlungsmöglichkeiten?
Wichtig vorweg: Nur unter einem gut eingestellten Diabetes kann eine Therapie am Auge erfolgreich sein. Bei der DMÖ-Behandlung selbst ist heute neben der ergänzenden Laser-Behandlung die sogenannte IVOM-Therapie, die intravitreale operative Eingabe von Medikamenten per Spritze unter lokaler Betäubung direkt in den Glaskörper des Auges, Goldstandard. Dabei stehen uns derzeit vor allem zwei Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Anti-VEGF-Medikamente hemmen das Molekül Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF), welches für Gefäßneubildungen und die Durchlässigkeit der Gefäße verantwortlich ist. Diese Medikamente dichten die Gefäße ab, wodurch das Ödem zurückgehen kann. Am Anfang der Therapie werden sie monatlich, später idealerweise in längeren Intervallen alle drei bis vier Monate verabreicht.
Zum anderen die Eingabe von Kortikosteroid-Präparaten in das Augeninnere.
Richtig, Steroide wirken stark entzündungshemmend, und da beim DMÖ bei vielen Betroffenen entzündliche Prozesse ablaufen, können sie bei der Behandlung zur Stabilisierung der Blutgefäße eine sehr gute Wirkung entfalten. Sie können von sechs Monaten bis zu drei Jahre anhalten. Es ist damit oft möglich, das Makulaödem gut über einen längeren Zeitraum in den Griff zu bekommen.
Wer ist besonders geeignet für den Einsatz von Steroiden?
Steroide bieten sich insbesondere an, wenn die Anti-VEGF-Therapie nicht ausreichend wirkt oder die Injektionsfrequenz zu belastend ist. Mittels einer OCT-Untersuchung können Kennzeichen, die auf einen Entzündungsprozess hinweisen, sogenannte DMÖ-Biomarker helfen, Patienten zu identifizieren, die von einer Umstellung auf Steroide profitieren können. Auch bei Vorliegen kardiovaskulärer Risikofaktoren oder bereits erfolgter Operation des grauen Stars kann es eine vielversprechende Behandlungsoption sein. Am Ende ist es aber immer eine individuelle Therapieentscheidung, bei der eine offene und ehrliche Aufklärung wichtig ist.
Was ist nach der Behandlung zu beachten?
Unmittelbar nach einer Injektion kann kurzfristig ein Fremdkörpergefühl und/oder Tränen auftreten. Bei zunehmender Rötung, Schmerzen oder plötzlicher Sehverschlechterung auch zeitverzögert nach der Behandlung muss sofort die Augenarztpraxis aufgesucht werden. Schwerwiegende Komplikationen, wie eine bakterielle Infektion des Augeninneren, sind extrem selten. Bei einer längerfristigen Steroidtherapie werden zusätzlich der Augeninnendruck und der Zustand der Linse hinsichtlich der Entwicklung eines Grauen Stars regelmäßig kontrolliert. Mögliche Nebenwirkungen lassen sich in der Praxis gut managen, sodass es bei jeder Behandlung wichtig ist, die vereinbarten Kontrolltermine einzuhalten.
Wo erhalte ich weitere Informationen?
Letztlich steht jedem Patienten der behandelnde Augenarzt oder Diabetologe als beste Anlaufstelle für individuelle Fragen zur Verfügung. Denn jedes Auge, jeder Diabetes, jede Therapie ist ein wenig anders und sollte individuell betrachtet und betreut werden.