Medizinisches Personal tippt auf einem Tablet, dazu medizinische Symbole.
Die Deutschen wünschen sich mehr Tempo bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens. iStock/PeopleImages

Digitale Transformation im Gesundheitswesen

Mit Daten heilen

Künstliche Intelligenz, Big Data und vernetzte Systeme können Diagnosen verbessern, Therapien personalisieren und die Versorgung effizienter machen. Doch in Deutschland bleibt viel Potenzial ungenutzt, weil es an einer ausreichenden Anzahl an Daten fehlt. Für die Gesundheitswirtschaft ist das ein Wettbewerbsnachteil.

JB
· 2025

Egal, ob E-Rezept, Video-Sprechstunde oder elektronische Patientenakte: Die Digitalisierung des Gesundheitswesens gewinnt endlich an Tempo. Eine weit überwiegende Mehrheit der Menschen begrüßt diese Entwicklung. Stolze 89 Prozent halten die Digitalisierung im Gesundheitswesen grundsätzlich für richtig, und 71 Prozent wünschen sich dabei sogar mehr Bewegung. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom aus dem vergangenen Jahr.1 Demzufolge erleben 83 Prozent überdies, dass ihre Ärztinnen und Ärzte dem Thema Digitalisierung insgesamt aufgeschlossen gegenüberstehen. Gleichwohl gilt aber auch: Fast jeder Zweite (48 Prozent) fühlt sich von der Digitalisierung im Gesundheitswesen überfordert.

 

Digitale Technologien machen die Versorgung effizienter.

Chancen nutzen

Nichtsdestotrotz eröffnet die Digitalisierung dem Gesundheitswesen in vielen Bereichen enorme Chancen, etwa durch die intelligente Nutzung von Gesundheitsdaten. Künstliche Intelligenz und Big Data ermöglichen eine deutlich präzisere Diagnostik, indem sie Krankheitsmuster schneller erkennen und analysieren. Auch in der personalisierten Medizin schaffen Datenanalysen die Grundlage für individuell zugeschnittene Therapien, die besser auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abgestimmt sind. Zudem fördern vernetzte Systeme den reibungslosen Informationsaustausch zwischen Ärztinnen und Ärzten, Fachabteilungen und Einrichtungen. Dies ist ein echter Gewinn für die Versorgungsqualität. Dennoch bleiben viele dieser Potenziale in Deutschland bislang ungenutzt, weil der Zugang zu Patientendaten oft eingeschränkt ist. Dabei sind diese Daten nicht nur medizinisch wertvoll, sondern auch entscheidend für Innovation, Produktentwicklung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Gesundheitswirtschaft.

Kurz erklärt

Großes Potenzial, noch zu wenig genutzt

Künstliche Intelligenz, Big Data und digitale Anwendungen können die Versorgung deutlich verbessern: Sie ermöglichen präzisere Diagnosen, personalisierte Therapien und effizientere Abläufe. Auch dezentrale klinische Studien gewinnen an Bedeutung. In Deutschland bleibt jedoch viel Potenzial ungenutzt, weil Gesundheitsdaten häufig nicht in ausreichendem Maß verfügbar sind. Das bremst Innovationen – und schwächt zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der Gesundheitswirtschaft.

Tempo erhöhen

Auch in anderen Bereichen des Gesundheitswesens wird mehr Tempo gefordert, etwa beim Durchlauf klinischer Studien. Fest steht: Die Digitalisierung verändert diesen Bereich grundlegend. Dezentrale Studienmodelle gewinnen dadurch an Relevanz. Sie ermöglichen eine schnellere Rekrutierung, effizientere Datenerhebung und eine stärkere Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Patienten. Unterstützt durch Telemedizin, mobile Technologien und spezialisierte Logistiklösungen, bieten dezentrale klinische Studien einen zukunftsweisenden Ansatz, um diese flexibler und patientennäher zu gestalten.