Im westeuropäischen Vergleich erreicht Deutschland bei der durchschnittlichen Lebenserwartung nur hintere Ränge. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung. Für die Studie wurden die Sterbefälle nach Todesursache in Deutschland mit sechs ausgewählten Ländern verglichen. Im Vergleich zu Vorreiterländern bei der Verlängerung der Lebenserwartung wie Japan, Spanien oder der Schweiz schneidet die Bundesrepublik gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen schlecht ab. „Dass Deutschland bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich zurückliegt, ist Anlass zur Sorge, da diese heutzutage als weitgehend vermeidbar gelten“, erklärt Mortalitätsforscher Pavel Grigoriev vom BiB die Ergebnisse. Die Befunde lassen darauf schließen, dass es Defizite bei der Vorbeugung in diesem Bereich gibt. Zu späte Diagnosen erschweren zudem eine erfolgreiche Behandlung. Klar muss sein: Durch eine bessere Vorbeugung von Krankheiten könnten nicht nur Gesundheitskosten gespart, sondern auch das Wohlbefinden der Bevölkerung gesteigert werden.
Digitalisierung und Mikrozirkulation: Digitale Hilfsmittel nutzen
Große Chancen bei der Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verspricht die Digitalisierung in der Medizin. Zum Beispiel können Wearables wie Smartwatches und Fitness-Tracker verwendet werden, um Daten wie Herzfrequenz, Blutdruck und Aktivitätsniveau zu sammeln. Diese Daten können dann von Ärzten und anderen medizinischen Fachkräften verwendet werden, um die Diagnose und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verbessern. Ein weiteres gutes Beispiel für die neuen digitalen Möglichkeiten im Gesundheitsbereich ist die Telemedizin. Sie ermöglicht es Patientinnen und Patienten, von zu Hause aus mit medizinischem Personal zu kommunizieren. Dadurch lässt sich bei Erkrankungen des Herzes schnell auf medizinische Hilfe zugreifen; verschiedene Symptome lassen sich besser verwalten.
Mehrere Risikofaktoren
Dies kann Menschen auch bei Mikrozirkulationsstörungen weiterhelfen. Grundsätzlich bezeichnet die Mikrozirkulation in der Medizin die Durchblutung der kleinsten Blutgefäße wie Kapillaren, Arteriolen und Venolen. Sie stellt die Verbindung zwischen dem arteriellen und dem venösen System her und führt das Blut in die unmittelbare Nähe der Zellen, sodass die verbliebene Strecke klein genug für den Stoffaustausch per Diffusion ist.
Ganz unterschiedliche Faktoren können die Mikrozirkulation beeinflussen. Dazu gehört, dass sich mit zunehmendem Alter die Elastizität der Blutgefäße verringert und dadurch der Blutfluss beeinträchtigt werden kann. Auch Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck oder ein ungesunder Lebensstil wie regelmäßiger Zigarettenkonsum, mangelnde Bewegung oder eine ungesunde Ernährung schädigen mitunter die Blutgefäße und beeinflussen die Mikrozirkulation negativ.
Auswirkungen auf das Herz
Gerade im Herz spielt die Mikrozirkulation eine besonders wichtige Rolle. Eine gestörte Mikrozirkulation ist im Herz-Kreislauf-System Auslöser für verschiedene Herzerkrankungen einschließlich Herzinsuffizienz und ischämische Herzkrankheiten. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, dass sich eine gestörte Mikrozirkulation auch negativ auf bestehende Herzerkrankungen auswirkt. Die frühzeitige Diagnose und Behandlung von Durchblutungsstörungen kann das Risiko der Entwicklung solcher Krankheiten signifikant reduzieren.