Eine Endo..., was? Kaum eine Frau weiß etwas mit dem Begriff Endometriose anzufangen. Dabei ist die Erkrankung weit verbreitet: Laut Schätzungen ist allein in Deutschland etwa jede zehnte Frau davon betroffen – üblicherweise zwischen Pubertät und Wechseljahren. Jährlich kommen etwa 30.000 Neuerkrankungen hinzu. Erstaunlich: Viele dieser Frauen wissen nichts von ihrer Krankheit, bei der sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle im Körper bildet. Die genauen Ursachen, unter welchen Risiko- und Einflussfaktoren die Krankheit entsteht, sind noch ungeklärt.
Die gutartigen Wucherungen finden sich besonders häufig an Eierstöcken, Eileitern, Blase oder Darm. Die sogenannten Endometriose-Herde breiten sich mit der Zeit weiter aus, Zysten und Verwachsungen können entstehen. Mögliche Folgen – neben starken Regelschmerzen, die auch einige Tage vor der Periode einsetzen können – sind: Beschwerden beim Entleeren von Darm und Blase, beim Geschlechtsverkehr sowie weibliche Unfruchtbarkeit. Bei 50 bis 60 Prozent der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch ist eine Endometriose die Ursache.
Endometriose: Symptome ernst nehmen
Selbst ein medizinischer Laie erkennt beim Betrachten dieser diffusen Symptome, dass auch andere Krankheitsbilder hinter den Beschwerden stecken können. Nicht ohne Grund sprechen Mediziner daher vom Chamäleon unter den gynäkologischen Erkrankungen. „Tatsächlich vergehen in Deutschland nach wie vor durchschnittlich sechs bis sieben Jahre vom Auftreten der Beschwerden bis zur Diagnosestellung – einer der Hauptgründe, warum Aufklärungsarbeit so wichtig ist“, sagt Prof. Dr. med. Bernhard Krämer, Stellvertretender Ärztlicher Direktor Gynäkologie an der Universitätsfrauenklinik Tübingen und Vorstandsmitglied der Europäischen Endometriose Liga e.V.
Doch was sind die Gründe? Die Symptome können, müssen aber nicht einer Endometriose zugrunde liegen. Und: Wenn Frauen von Unterleibsschmerzen während der Periode berichten, stufen Gynäkologen diese oft falsch ein oder Frauen werden mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen. Tipp: Die Endometriose Liga bietet einen Online-Selbsttest an, der eventuell erste Hinweise auf eine bestehende Erkrankung liefern kann. „Frauen sollten die Symptome nicht hinnehmen und sich nicht scheuen, ihren Gynäkologen auf eine Endometriose anzusprechen“, rät der Experte. Hilfreich sei auch das Führen eines Schmerzkalenders, der zum Besuch beim Frauenarzt mitgebracht werden kann.
Verschiedene Behandlungsmethoden
Bei Verdacht auf eine Erkrankung kann eine Gewebeentnahme mittels Bauchspiegelung Gewissheit verschaffen. Die gute Nachricht: Endometriose ist zwar eine chronische Krankheit, sie ist jedoch in den meisten Fällen gut behandelbar. Es stehen medikamentöse Therapien, zum Beispiel Gelbkörperhormone, und operative, in der Regel minimal-invasive Maßnahmen zur Entfernung der Endometriose-Herde zur Auswahl.
Umso wichtiger, dass dem verbreiteten Leiden mehr Beachtung geschenkt wird und Frauen schneller eine Diagnose und Therapie erhalten. Besonders gut aufgehoben sind betroffene Frauen in einem der vielen zertifizierten Endometriose-Zentren in Deutschland, die sich auf die Diagnose und Behandlung dieser Krankheit spezialisiert haben.