schmerzendes Kniegelenk in rot als Röntgenaufnahme

Gelenkverschleiß

Neue Ziele für Medikamente entdeckt

Fakt ist: Zerstörter Gelenkknorpel lässt sich nicht wieder aufbauen. Eine frühe Behandlung und ein gesunder Lebensstil sind entscheidend. Wie sich der voranschreitenden Arthrose entgegenwirken lässt und wie eine internationale Forschergruppe unter Federführung des Helmholtz Zentrums München Genanalysen für neue Therapieansätze nutzt.

Nadine Effert
· 2025
Erschienen in

Volkskrankheiten

am 1. Juli 2025 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Ob Herz-Kreislauf-Krankheiten, Arthrose, Krebs oder Diabetes mellitus: Sogenannte Volkskrankheiten sind weit verbreitet und beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Zudem stellt sich die Frage nach der Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems und den Auswirkungen auf...

Geschwollene Gelenke, die morgens steif sind und schmerzen – irgendwann auch unabhängig von Belastung: Das sind die typischen, teils starken Symptome einer Arthrose. Laut der Deutschen Arthrose-Hilfe leiden in Deutschland rund fünf Millionen Menschen unter den Auswirkungen dieser degenerativen Gelenkerkrankung, die vorrangig in Händen, Knien und Hüfte auftritt. Ältere Menschen sind aufgrund des natürlichen Verschleißprozesses zwar häufiger von einer Schädigung des Gelenkknorpels – und in der Folge dem angrenzenden Gewebe – betroffen. Arthrose ist jedoch eine Erscheinung, die auch junge Menschen ereilen kann. Als ursächlich gelten zum Beispiel eine intensive sportliche Belastung, Spätfolgen eines Unfalls oder Überbelastung durch Übergewicht. Schon fünf Kilo zu viel auf den Rippen verdoppeln das Risiko einer Knie-Arthrose, warnt die Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie.

 

Eine frühe Therapie kann die Beweglichkeit der Gelenke erhalten und verbessern.

gestreckter Arm, Physiotherapeutin und Patient bei Behandlung
iStock / Getty Images Plus / Jacob Wackerhausen

Therapie bei Gelenkverschleiß: Abbau verlangsamen

Abgenutzte Gelenkknorpel können sich weder selbst erneuern noch repariert werden. Ist die Diagnose gestellt, ist es wichtig, die Arthrose so schnell wie möglich zu behandeln. Zu Beginn lässt sich dem sogenannten Gelenkverschleiß konservativ begegnen: mit Krankengymnastik, Wärmebehandlungen, einer entzündungshemmenden Ernährung oder der Einnahme von Schmerzmitteln und anderen Medikamenten. „Mit fortschreitender Erkrankung allerdings erschöpfen sich diese Behandlungsmethoden“, sagt Dr. Sebastian Ebel, Oberarzt der Radiologie am Universitätsklinikum Leipzig. „Am Ende bleibt den Betroffenen nur, sich operieren zu lassen. Im Endstadium heißt das konkret: Das Knie-, Hüft- oder Schultergelenk wird ersetzt.“ Laut den Zahlen der „Gesundheitsberichterstattung des Bundes“ aus dem Jahr 2024 werden jährlich allein über 250.000 künstliche Hüftgelenke und 200.000 Knieprothesen in deutschen OP-Sälen eingesetzt. Ebel wendet seit Kurzem eine Alternative bei Patientinnen und Patienten an, die noch zu jung für einen Gelenkersatz sind: die transarterielle periartikuläre Embolisation (TAPE). Hierbei werden unter örtlicher Betäubung per Angiografie feine Gefäße im betroffenen Gelenk verschlossen, wodurch schmerzverursachende Nerven absterben. Der Erfolg der Behandlung sei sofort messbar. Bereits am Tag nach dem Eingriff signalisierten die behandelten Personen, dass sich ihre Schmerzen verringert und ihre Beweglichkeit erheblich verbessert hätten.

Zahl zum Staunen

12 Mrd. Euro

So hohe Kosten sind dem deutschen Gesundheitssystem im Jahr 2020 für die Behandlung der 
Arthrose entstanden.

Quelle: https://www.arthrose.de/arthrose/kosten; letzter Zugriff: 12.06.2025

Illustration mit Bildern der unterschiedlichen Körpergelenke
iStock / wildpixel

Forschung: größte genetische Studie

Eine Präzisionsmedizin für Arthrose, die nicht nur Symptome lindert, sondern auch das Fortschreiten der Erkrankung aufhält, ist Ziel eines internationalen Forscherteams aus mehr als 120 weltweit angesiedelten Forschungseinrichtungen. Ihm ist es mittels Genanalyse von rund zwei Millionen Menschen gelungen, über 900, davon mehr als 500 bislang unbekannte, genetische Risikofaktoren zu identifizieren. Die im April 2025 in „Nature“ vorgestellten neuen Erkenntnisse können dabei helfen, beispielsweise schon vorhandene Medikamente umzufunktionieren. Einen wertvollen Hinweis gab es in Bezug auf bestimmte Proteine, welche von insgesamt 69 Genen kodiert werden und auf die bereits zugelassene Medikamente ausgerichtet sind. Zudem wurden acht zentrale Mechanismen im Zellstoffwechsel aufgedeckt. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass gezielte Eingriffe in diese Prozesse das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen oder sogar aufhalten könnten“, so Co-Erstautor Dr. Konstantinos Hatzikotoulas. Weitere genetische Studien seien nun nötig.

Schon gewusst?

Arthrose: typische Symptome

  • Anlaufschmerz
  • Gelenksteifigkeit (Morgensteifigkeit)
  • Gelenkschmerzen bei Belastung 
  • (Belastungsschmerz)
  • Gelenkschwellungen
  • Dauerschmerz des Gelenks
  • Verspannte Muskeln um das Gelenk
  • Bewegungseinschränkungen

Sobald ein Verdacht besteht, ist es ratsam, so frühzeitig wie möglich eine orthopädische Praxis aufzusuchen.

Quelle: Deutsche Rheuma-Liga