Herr Inthorn, Sie sind seit 18 Jahren Frank Elstners persönlicher Assistent und haben als diplomierter Sportwissenschaftler sein Fitness-Programm entwickelt. Was beinhaltet es?
Inthorn: Es ist ein Mix aus Koordination, Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer. Wir trainieren meist bei Herrn Elstner zu Hause und benutzen Sportgeräte, die das Gleichgewicht trainieren, ein Rudergerät, ein Laufband und Gewichte. 2016 kam nach der Diagnose Parkinson ein vom Arzt empfohlenes Training hinzu. Neuerdings sind es das Parkinson-Boxen und das Tischtennis. Der Physiotherapeut von Herrn Elstner spielt auch eine wichtige Rolle, da er mit Geräten zusätzlich die motorischen, kognitiven und logopädischen Fähigkeiten trainiert.
Herr Elstner, merken Sie dadurch bereits eine Reduzierung Ihrer Parkinson-Symptome?
Elstner: Vorweg: Die Vielfalt ist beim Training entscheidend, um fit zu bleiben. Unser Schwerpunkt liegt zudem bei der Sturzprophylaxe, was besonders im höheren Alter an Bedeutung gewinnt. Ich laufe durch das Training mit André auf jeden Fall besser und habe weniger Schmerzen. Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass ich weniger Parkinson-Medikamente benötige.
Herr Inthorn, was raten Sie als Personal Trainer und Sportwissenschaftler allen im Alter ab 50 Jahren bezüglich Gesundheit und Fitness?
Inthorn: Man sollte sich so viel wie möglich bewegen und Koordination, Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer trainieren. Das Boxen ist da bestens geeignet, denn es ist ein Ganzkörpertraining, das alles verbindet. Generell gilt: Jede Sportart ist für jeden möglich, sie muss nur individuell angepasst werden. Man kann auch im Sitzen boxen oder Tischtennis spielen!
Elstner: Damit es Spaß macht, empfiehlt es sich, Musik dabei zu hören. Sie motiviert. Gerade beim Boxen hilft mir zum Beispiel schnellere Musik.
Inthorn: Es geht am Ende immer um Lebensqualität, die jeder für sich definiert. Neben dem Sport trägt natürlich eine gesunde Ernährung dazu bei. Für alle Menschen, insbesondere Parkinson-Patienten, sind grundsätzlich pflanzliche Lebensmittel und frisches Essen aus Bioprodukten besser als tierische Produkte und Fertiggerichte. Oft liegen bei der Generation 50plus zudem Mangelerscheinungen vor. Das sollte man vom Arzt untersuchen lassen und gegebenenfalls die Ernährung umstellen oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.
Herr Elstner, was motiviert Sie, sich fit zu halten, auch wenn es Ihnen mal nicht so gut geht?
Elstner: In meinem Alter motiviert mich die Vernunft. André schaut auch, dass ich alles wie vorgeschrieben mache. Wir verfolgen beide das Ziel, das Fortschreiten meiner Krankheit zu verlangsamen. Ich trainiere aber nicht immer mit André zusammen, sondern mache vieles auf seine Anweisungen hin. Es braucht also nicht jeder einen Personal Trainer, um fit zu bleiben. Eine korrekte Anleitung ist allerdings unerlässlich.