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Hautkrebsvorsorge mit KI

Früherkennung in nur sechs Minuten

Jeder Sonnenbrand erhöht das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Doch was wäre, wenn eine neue Technologie dabei hilft, gefährliche Hautveränderungen schneller und zuverlässiger zu entdecken als je zuvor? Genau daran arbeitet ein internationales Forschungsteam: Ein KI-gestützter Ganzkörperscanner soll künftig die Hautkrebsvorsorge revolutionieren. Was dahinter steckt – und warum es sich lohnt, jetzt genauer hinzusehen.

Nadine Effert
Von Nadine Effert und Redaktion Portal-Wissen.net
· 2025

Früh erkannt, besser behandelbar

Hautkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Die Zahl der Neuerkrankungen steigt seit Jahren kontinuierlich an. Für das Jahr 2024 wurden rund 336.000 Neuerkrankungen prognostiziert[1], darunter etwa 45.000 Fälle von schwarzem Hautkrebs, dem sogenannten malignen Melanom. Die gute Nachricht: Früh erkannt, ist Hautkrebs in den meisten Fällen gut behandelbar. Auch dank moderner Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) verbessern sich die Chancen auf eine frühzeitige Diagnose und damit auf eine erfolgreiche Behandlung.

Hautkrebsvorsorge: Was gesetzlich Versicherte wissen sollten

Seit 2008 haben gesetzlich Versicherte in Deutschland ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre Anspruch auf ein kostenfreies Hautkrebsscreening.[2] Dabei untersucht eine Dermatologin oder ein Dermatologe die gesamte Hautoberfläche mit dem bloßen Auge oder einem Auflichtmikroskop. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten, kann aber im Ernstfall Leben retten, denn sie trägt entscheidend dazu bei, Hautkrebs in einem frühen Stadium zu diagnostizieren. Auch jüngere Menschen mit Risikofaktoren wie heller Haut, häufigem Sonnenbrand in der Kindheit oder familiärer Vorbelastung sollten regelmäßig einen Hautarzt aufsuchen.

Arzt fotografiert einen Leberfleck auf dem Rücken eines Patienten

KI-gestützte Ganzkörperscanner: Der iToBoS-Scanner

Ein innovativer Ansatz in der Hautkrebsfrüherkennung ist der Einsatz von KI-gestützten Ganzkörperscannern. Im Rahmen des EU-geförderten Projekts iToBoS haben Forschende des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik – Heinrich-Hertz-Institut (HHI) gemeinsam mit 20 Partnern einen solchen Scanner entwickelt. Dieser untersucht in nur sechs Minuten den gesamten Körper und liefert für jede auffällige Hautveränderung eine Risikobewertung.

XAI: Die Rolle erklärbarer KI

Ein besonders spannender Aspekt des iToBoS-Systems ist der Einsatz sogenannter XAI-Technologien („Explainable Artificial Intelligence“). Diese ermöglichen es, die Bewertung der KI nachvollziehbar zu machen – ein zentraler Punkt für die Akzeptanz im medizinischen Alltag. Denn Ärztinnen und Ärzte müssen verstehen, auf welcher Grundlage die künstliche Intelligenz ihre Einschätzung trifft. Die Kombination aus automatisierter Analyse und menschlicher Expertise kann die Diagnosesicherheit deutlich erhöhen.

Vorteile der KI-gestützten Krebsfrüherkennung

  • Schnelligkeit: Der gesamte Körper wird in nur sechs Minuten gescannt.

  • Präzision: Die KI analysiert Hautveränderungen und liefert detaillierte Risikobewertungen.

  • Nachvollziehbarkeit: Dank XAI können medizinische Fachkräfte die Entscheidungen der KI besser interpretieren.

  • Effizienz: Die Technologie ermöglicht eine höhere Anzahl von Untersuchungen in kürzerer Zeit.

Erschienen in

Hautnah

am 27. Mai 2025 in „freundin“
Sie hüllt den Körper ein wie ein schützender Mantel und gibt gleichzeitig viel von der dazugehörigen Person preis: Die Haut verrät das Alter, den Lebensstil und die Stimmung – Gänsehaut und errötete Wangen lassen grüßen! Eigentlich kennen wir fast...
SCHON GEWUSST?

4 praktische Tipps zur Hautkrebsvorsorge

  • Regelmäßige Untersuchungen: Nehmen Sie das kostenlose Hautkrebsscreening ab 35 Jahren alle zwei Jahre wahr.

  • Selbstkontrolle: Überprüfen Sie Ihre Haut regelmäßig auf Veränderungen.

  • Sonnenschutz: Vermeiden Sie übermäßige UV-Strahlung und nutzen Sie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor.

  • Frühzeitige Abklärung: Bei auffälligen Hautveränderungen suchen Sie umgehend eine dermatologische Praxis auf.

Alltagstaugliche Hautkrebsvorsorge beginnt zu Hause

Trotz aller technischen Innovationen bleibt der eigene Blick auf die Haut unverzichtbar. Eine regelmäßige Selbstuntersuchung hilft, neue oder sich verändernde Muttermale frühzeitig zu bemerken. Empfehlenswert ist ein monatlicher Check mithilfe eines Spiegels – bei Bedarf kann eine vertraute Person helfen. Achten Sie auf die ABCDE-Regel. Besonders wichtig ist auch der Sonnenschutz: Tragen Sie eine Kopfbedeckung, nutzen Sie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor und meiden Sie intensive Mittagssonne.

KI als Ergänzung, nicht als Ersatz

Wichtig ist zu betonen: Die KI ersetzt nicht die ärztliche Diagnose, sondern ergänzt sie. Auch die beste Technologie kann eine fundierte medizinische Einschätzung nicht vollständig ersetzen – sie bietet jedoch wertvolle Unterstützung, insbesondere in der Früherkennung und Verlaufskontrolle. Perspektivisch könnten KI-Systeme in dermatologischen Praxen oder gar mobilen Einheiten flächendeckend zur Verfügung stehen und so die Versorgung in ländlichen Regionen verbessern.

Checkliste

Die ABCDE-Regel zur Selbstkontrolle

  • Asymmetrie: Unregelmäßige Form des Muttermals.
  • Begrenzung: Unscharfe oder ausgefranste Ränder.

  • Color (Farbe): Unterschiedliche Farbtöne innerhalb eines Flecks.

  • Durchmesser: Größer als 5 Millimeter.

  • Erhabenheit/Entwicklung: Veränderung in Größe, Form oder Farbe.

Bei Auffälligkeiten sollten Sie eine dermatologische Praxis konsultieren.

Fazit

Die Kombination aus regelmäßiger Vorsorge, achtsamer Selbstbeobachtung und moderner Technologie bietet eine echte Chance, Hautkrebs frühzeitig zu erkennen und erfolgreich zu behandeln. Die Hautkrebsvorsorge mit KI ist ein bedeutender Schritt in Richtung personalisierte Medizin – schnell, präzise und nachvollziehbar. Nutzen Sie alle Möglichkeiten der Früherkennung und schützen Sie aktiv Ihre Gesundheit.

Weitere Quellen: