Baby mit Creme im Gesicht
Pflegeprodukte für Babys sollten möglichst hautneutral sein. iStock / insta_photos

Hautpflege für Babys

So schützen Sie empfindliche Babyhaut richtig

Die Haut unserer Kleinsten ist äußerst anspruchsvoll und bedarf einer sorgfältigen Pflege. Vor allem dem Windelbereich gilt besondere Aufmerksamkeit, um Keimbesiedlungen und Reizungen zu vermeiden. Worauf kommt es dabei an, und welche Kinder haben ein erhöhtes Risiko, an Neurodermitis zu erkranken?

Tobias Lemser
· 2025

Eine Haut, so rosig und glatt wie ein Babypopo – wer wünscht sich das nicht. Dabei trifft dies bei den Allerkleinsten gar nicht immer zu. Im Gegenteil: Nicht wenige Säuglinge und Kleinkinder im Wickelalter haben mit der sogenannten Windeldermatitis zu kämpfen, eine der häufigsten Hauterkrankungen in diesem Alter. Kaum ein Kind ist davor sicher, selbst wenn die Windel noch so hochwertig und saugfähig ist. Vor allem das feuchtwarme Milieu in der Poregion macht empfindlicher Babyhaut zu schaffen – Keime rufen dann Entzündungen hervor. Verstärkt wird das Problem, wenn eine volle Windel nicht zeitnah gewechselt und somit der Säureschutzmantel angegriffen wird. Die Folge sind kleine teils schuppige Hautstellen oder nässende Pusteln.

Erschienen in

Hautnah

am 27. Mai 2025 in „freundin“
Sie hüllt den Körper ein wie ein schützender Mantel und gibt gleichzeitig viel von der dazugehörigen Person preis: Die Haut verrät das Alter, den Lebensstil und die Stimmung – Gänsehaut und errötete Wangen lassen grüßen! Eigentlich kennen wir fast...

 

Feuchtwarmes Milieu in der Poregion macht empfindlicher Babyhaut zu schaffen.

Luftig ohne Windel

Um eine Windeldermatitis in den Griff zu bekommen, gilt es, den Po bestmöglich trocken zu halten und Reizungen zu vermeiden. Dies gelingt am besten durch häufiges Windelwechseln und sorgfältiges Abtrocknen nach dem Baden. Ebenso wirkungsvoll: viel Licht und Luft an die Pohaut heranlassen. Aber auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle, da sie Einfluss auf die Zusammensetzung von Urin und Stuhl hat. Sind bestimmte Nahrungsmittel scharf, können sie die Haut reizen. Nicht zuletzt sollten Eltern auf die passenden Reinigungs- oder Hautpflegeprodukte achten. Da sie Hautreaktionen auslösen können, sollten keine Duft- oder Konservierungsstoffe enthalten sein.

Babyfüße mit Neurodermitis

Auslöser Gewichtszunahme

Doch es gibt auch Hauterkrankungen bei Kindern, die sich am ganzen Körper bemerkbar machen. Beispiel Neurodermitis, die häufigste chronisch-entzündliche Hauterkrankung im Kindesalter. Markant für die in Schüben verlaufende Erkrankung ist vor allem der quälende Juckreiz. Rund jeder fünfte Säugling beziehungsweise Kleinkind leidet hierzulande darunter. Als ursächlicher Hauptfaktor gilt eine angeborene Veranlagung. Allerdings kann auch starkes Übergewicht das Risiko für Neurodermitis erhöhen. Das ist das Ergebnis einer Ende vergangenen Jahres publizierten koreanischen Studie des Seoul National University College of Medicine.1 Weitere Erkenntnis: Kinder, die zunehmen, haben ein höheres Risiko für Neurodermitis als übergewichtige Kinder, die ihre sogenannte Gewichtskurve halten. Die Forschenden erklären dies damit, dass übermäßiges Fettgewebe entzündungsfördernde Mechanismen auslösen kann, die zur Entwicklung von Hautkrankheiten führen. Hierfür untersucht wurde eine Längsschnittkohorte von rund 2,2 Millionen koreanischen Kindern von 2009 bis 2020.

Baby schaut lächelnd in die Kamera

Schutz durch Muttermilch

Häufig erstes Symptom einer Neurodermitis ist sogenannter Milchschorf im Gesicht und an den Außenseiten von Armen und Beinen.2 Nicht nur, dass die Haut gerötet ist, auch ist sie von Schuppenkrusten übersät und nässt zudem. Später werden daraus stark juckende schuppige Ekzeme. Machen sich diese bei Säuglingen vermehrt im Gesicht und an den Ohren breit, sind im Kleinkindalter häufig die Gelenkbeugen der Arme und Beine in Mitleidenschaft gezogen. Die gute Nachricht: Werden Babys in den ersten vier Lebensmonaten ausschließlich gestillt und auch danach nach Einführung der Beikost zusätzlich mit Muttermilch ernährt, verringert sich nachweislich das Risiko für eine atopische Dermatitis. Positive Effekte scheinen zudem eine optimale Hautpflege und stetiges Eincremen zu haben. Nicht zuletzt können kurze, nicht zu heiße Ölbäder ein Austrocknen der Haut verringern.

Praktische Alltagstipps

Hautpflege für Babys

  • Regelmäßig Windeln wechseln: frisch und trocken ist wesentlich. Besonders nach dem Stuhlgang: sanft abtrocknen, Hautpflege auftragen.

  • Luft und Luft: Haut im Windelbereich ohne Windel kurzzeitig „atmen“ lassen – ideal mehrmals täglich.

  • Schonende Reinigung: Keine Duft‑ oder Konservierungsstoffe! Verwenden Sie lauwarmes Wasser oder pH-neutrale Waschlotionen.

  • Muttermilch als natürliche Pflege: Auf Windeldermatitis aufgetragene Muttermilch wirkt antientzündlich ähnlich wie 1 % Hydrocortison – aber natürlich und sicher.

  • Pflege ab Geburt: Morgens oder abends eincremen, auch wenn Haut gesund erscheint. Emollientia mit kolloidalem Hafer können vorbeugend wirken.3 Emollienzien sind Externa, die traditionell frei von aktiven Wirkstoffen sind und eine rückfettende Eigenschaft haben.

  • Durchfall früh managen: Kürzere Durchfallserien reduzieren das Risiko schwerer Windeldermatitis.

  • Hautstruktur von Babys verstehen: Säuglingshaut ist dünner, empfindlicher gegenüber Feuchtigkeit, Ammoniak und Infektionen.

  • Stillen fördern: Besonders bei familiärer Neurodermitis-Geschichte: Stillen für 4–6 Monate kann schützen.

Fazit

Eine sanfte und gezielte Hautpflege ist entscheidend für Babys Hautgesundheit. Präventiv eingesetzte Emollientia ab Geburt können atopischer Dermatitis vorbeugen – gerade bei Risikokindern. Häufiges Windelwechseln, kurze Luftpausen, hautverträgliche Reinigung und natürliche Mittel wie Muttermilch bieten effektiven Schutz.

Mit achtsamer Hautpflege für Babys – dazu gehören sorgfältige Reinigung, Schutz und genug Luft  – lässt sich die zarte Haut optimal schützen und typische Beschwerden wie Windeldermatitis und Neurodermitis frühzeitig abmildern oder sogar verhindern.

Bei 36-75 %
der Babys weltweit tritt Windeldermatitis (Diaper Dermatitis) auf, mit 1-24 % schweren Fällen.

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Etwa 20 %
aller Kinder sind im Verlauf ihres Lebens von Neurodermitis betroffen – sie gilt als häufigste chronisch-entzündliche Hauterkrankung im Kindesalter.

Bis zu 33 %
niedriger kann das Risiko für Neurodermitis sein, wenn in den ersten vier Monaten gestillt wird, besonders bei familiärer Vorbelastung.

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