Eine Frau cremt sich ihre Schulter mit Sonnenlotion ein.
Sonnenschutz rettet Haut – und Leben langfristig. iStock / M-Production

Hautschutz ernst nehmen

Warum Sonne und Luftverschmutzung gefährlich sein können

Als größtes und vielseitigstes Organ macht die Haut rund 20 Prozent unseres Körpergewichts aus. Doch angesichts ihrer immensen Oberfläche ist sie auch angreifbar, weshalb die Hautpflege zentral sein sollte – genauso wie der Schutz vor UV-Strahlung und Luftverschmutzung. Denn die Gefahr von Hauterkrankungen lauert überall.

Tobias Lemser
· 2025

Monatelang haben wir darauf gewartet: endlich wieder in T-Shirt, kurzer Hose und Sneakern rausgehen – ohne Jacke, ohne Mütze, ohne Schal. Einfach frei und luftig. Am besten in der vollen Sonne, damit die käsig anmutende Haut schnell bräunt. Doch Vorsicht! Es ist ein Irrglaube, dass die Sonne im Frühling noch nicht genug „Kraft“ hat. Denn die Intensität der UV-Strahlen hängt nicht von der Temperatur, sondern vom UV-Index ab, der auch im Frühling bereits ziemlich hoch sein kann und das Risiko für Hautkrebs steigert. Spätestens jetzt im Mai ist es also sinnvoll, immer Sonnencreme parat zu haben.

Hautschutz ernst nehmen

Dass der Schutz vor Sonneneinstrahlung wichtig ist, ist hinlänglich bekannt. Bestätigt wird dies durch eine repräsentative forsa-Umfrage aus dem vergangenen Jahr im Auftrag des AOK-Bundesverbandes.1 Demnach sind sich 81 Prozent der über 1.500 Befragten darüber im Klaren. 69 Prozent der Bürgerinnen und Bürger würden ihre Maßnahmen zum Sonnenschutz angesichts der klimabedingt steigenden UV-Strahlung auch verstärken. Besorgniserregend jedoch: Fast die Hälfte der Bevölkerung (48 Prozent) vergisst häufig, Sonnenschutzmittel aufzutragen.

Viele Vorsorgemuffel

Auch in der Vorsorge gegen Hautkrebs gibt es deutlichen Nachholbedarf: Mehr als jede vierte Person ab 35 Jahren nimmt das Angebot des Hautkrebsscreenings bisher überhaupt nicht in Anspruch. „Mit Blick auf die dramatischen Veränderungen des Klimas und damit auch der UV-Strahlung lege ich jedem Menschen ans Herz, dieses kostenfreie Angebot der Krankenkassen wahrzunehmen. Denn in den meisten Fällen ist Hautkrebs heilbar, wenn er früh genug erkannt wird“, sagt Jens Martin Hoyer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Teilweise explosionsartig sind die Hautkrebsfälle zuletzt angewachsen. Seit dem Jahr 2005 hat sich laut aktuellem Bericht der Barmer-Krankenkasse2 die Zahl der Menschen mit der Diagnose schwarzer Hautkrebs mehr als verdoppelt, bei weißem Hautkrebs verdreifachten sich die Fallzahlen sogar.

Erschienen in

Hautnah

am 27. Mai 2025 in „freundin“
Sie hüllt den Körper ein wie ein schützender Mantel und gibt gleichzeitig viel von der dazugehörigen Person preis: Die Haut verrät das Alter, den Lebensstil und die Stimmung – Gänsehaut und errötete Wangen lassen grüßen! Eigentlich kennen wir fast...

 

Viele Menschen nehmen das Thema Sonnenschutz nicht ernst.

Perfekte Hautpflege

Landen Sonnenschutzmittel im Drogeriemarkt eher aus Vernunftgründen im Einkaufskorb, ist das bei Hautpflegeprodukten anders: Eine Vielzahl dieser Produkte ist für unser mit zwei Quadratmetern größtes Organ äußerst beliebt und deshalb unverzichtbar. Man denke nur an die verschiedenen Cremes für unsere Hände, deren Haut im Winter häufig wie Schmirgelpapier erscheint. Doch auch Gesichtsgel, Peelings oder Lippenbalsam: Eine Umfrage der Statista Consumer Insights zeigt, dass die Deutschen fleißig „Skin-care”-Produkte nutzen. Etwa 93 Prozent der befragten Frauen wenden Gesichtspflege-Produkte an. Doch auch 86 Prozent der Männer in Deutschland legen Wert auf gesunde Haut – was vor allem an der Generation Z und den Millennials liegt. Mehr als 3,6 Milliarden Euro werden jährlich bundesweit mit Hautpflegemitteln umgesetzt. Duschzusätze, Hautcremes und Körperlotionen sind die Bestseller.

Eine junge Frau mit reiner Haut blickt in die Kamera

Gefährliche Luftverschmutzung

Auch wenn sich viele Hautpflegeprodukte in ihrer Zusammensetzung stetig verbessern und unserer Haut guttun, ist es dennoch gut zu wissen, dass unsere Körperhülle über eine geniale eigene Schutzschicht, die eigenständig Keime und Erreger von außen abhält. Aber auch dieses natürliche kluge Pflege- und Schutzprogramm kann irgendwann aus der Balance geraten – etwa durch übertriebene Pflege, vor allem durch zu viele zusätzliche Fette oder Öle von außen. Dermatologinnen und Dermatologen raten deswegen zu einer auf den Hauttyp angepassten Reinigung und Pflege – auch weil unsere Haut ohnehin bereits im hohen Maße gestresst ist. Laut Daten der Europäische Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) leidet jede zweite Person in Europa an mindestens einer Hauterkrankung – was inzwischen immer häufiger auch auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Denn höhere Temperaturen, stärkere UV-Strahlung und Luftverschmutzung können direkte Auswirkungen auf die Hautgesundheit haben.

Person mit vielen Leberflecken auf dem Rücken

Neurodermitis nimmt zu

Luftverschmutzung, charakterisiert durch einen hohen Gehalt an Feinstaub und Schadstoffen, kann beispielsweise zu einer Verschlimmerung entzündlicher Hauterkrankungen wie Neurodermitis führen – eine Erkrankung, von der immer mehr Babys und Kleinkinder betroffen sind. Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen der Nähe zu stark befahrenen Straßen und einer erhöhten Häufigkeit von Neurodermitis. Und: Luftverschmutzung steigert das Risiko für Hautkrebs. Befinden sich zu viele Schadstoffe in der Luft, wird der oxidative Stress in der Haut gefördert, und es werden DNA-Schäden begünstigt, was auf lange Sicht zu sogenannten karzinogenen Veränderungen führen kann. Das Gute bei diesen besorgniserregenden Nachrichten: Dank akribischer Forschung und innovativer Medikamente, Salben und Tinkturen stehen heute immer bessere Therapieoptionen zur Verfügung, mit denen ein Großteil der Hauterkrankungen, wie etwa Psoriasis oder bestimmte Formen von Hautkrebs, geheilt oder zumindest in den Griff bekommen werden können.

Zahl zum Staunen

Vier Meter Nervenbahnen befinden sich durchschnittlich auf einem Quadratzentimeter Haut.4

Fazit

Unsere Haut ist täglich vielfältigen Belastungen ausgesetzt – durch Sonne, Luftverschmutzung und den Klimawandel mehr denn je. Konsequenter Hautschutz ist daher unverzichtbar: Sonnenschutzmittel regelmäßig nutzen, Pflegeprodukte dem eigenen Hauttyp anpassen und Vorsorgeangebote wie das Hautkrebsscreening wahrnehmen. Wer frühzeitig handelt, kann das Risiko für Hautschäden deutlich verringern und die Haut langfristig gesund erhalten. Die beste Strategie lautet: vorbeugen, schützen, regelmäßig kontrollieren.

Schon gewusst?

Laut einer forsa-Umfrage1 im Jahr 2024 …

  • … geht jede vierte befragte Person davon aus, dass man durch Autoscheiben ausreichend vor Sonne geschützt sei und auf Sonnencreme verzichten könne.
  • … glaubt jede fünfte Person fälschlicherweise, dass man im Schatten vor Sonnenbrand geschützt sei.
  • … weiß nach wie vor jeder Zweite nicht, was der sogenannte Lichtschutzfaktor bedeutet.