Galt Leberkrebs in Deutschland bislang noch als seltene Tumorerkrankung, nimmt die Häufigkeit, vor allem in Europa, dramatisch zu. So hat sich die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten 35 Jahren – sowohl bei Männern als auch bei Frauen – verdoppelt, wobei Männer zwei- bis dreimal häufiger betroffen sind als das weibliche Geschlecht. Die meisten Erkrankungsfälle treten um das 70. Lebensjahr auf.
Hepatozelluläres Karzinom: Auf leisen Sohlen
Besonders tückisch: Im Anfangsstadium verursacht Leberkrebs, ähnlich wie andere Lebererkrankungen, nur selten Beschwerden. Das resultiert unter anderem daraus, dass sich in der Leber selbst keine Nervenfasern befinden, die zu Schmerzen führen könnten. Weiter fortgeschritten kann Leberkrebs unspezifische Symptome hervorrufen, wie Druckschmerz im Oberbauch, Übelkeit, allgemeine Leistungsminderung, ungewollte Gewichtsabnahme oder gelb gefärbte Haut und Augen. Wenn sich das Hepatozelluläre Karzinom unbemerkt lange Zeit entwickeln und sich auch in anderen Körperbereichen ausbreiten kann, endet es meist mit irreparablen Schäden bis hin zum Tod des Patienten. Eine regelmäßige Vorsorge ist daher das A und O.
Therapieentscheidung: je nach Tumorstadium
Die Therapieentscheidung richtet sich danach, wie weit der Leberkrebs fortgeschritten ist und in welchem Zustand sich der Patient und dessen Leber befindet. Im Frühstadium der Erkrankung wird in der Regel mittels Tumorresektion oder Lebertransplantation chirurgisch behandelt. Dabei kommt eine Leberteilentfernung nur infrage, solange der Tumor mit einem ausreichenden Abstand zum gesunden Gewebe entfernt werden kann.
Ist vorerst keine Operation möglich, kommen oftmals lokale Therapien zum Einsatz. Diese zielen darauf ab, den Tumor zu heilen, zu verkleinern oder die Lebensqualität des Patienten – soweit keine Heilungschance besteht – zu verbessern. Die gängigste Therapieform ist die sogenannte Radiofrequenzablation, bei der das Tumorgewebe mittels Radiofrequenzwellen erhitzt und danach abgetragen wird.
Kann der Tumor weder operativ noch lokal-ablativ behandelt werden, zeigt die Transarterielle Radioembolisation (TARE), oftmals auch als Selektive Interne Radiotherapie (SIRT) bezeichnet, erfolgversprechende Ergebnisse. Bei dieser Strahlentherapie wird das erkrankte Gewebe durch einen Leistenkatheter gezielt bestrahlt, wodurch gesunde Zellen weitestgehend geschont werden.
Bei allen Therapiemethoden gilt: Je eher der Krebs erkannt wird, desto größer sind die Erfolgschancen.