Haut, die mit Herpes Zoster infiziert ist

Herpes Zoster Impfung

„Bei Diabetes ist das Immunsystem geschwächter“

Jedes Jahr erkranken hierzulande rund 300.000 – zumeist ältere – Menschen an Gürtelrose. Erhöht ist das Erkrankungsrisiko bei Diabetes. Prof. Dr. med. Baptist Gallwitz, Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie/Diabetologie und Pressesprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), erläutert die Gründe und wie man sich schützen kann.

Tobias Lemser
· 2025
Erschienen in

Diabetes

am 14. November 2025 in „Die Welt“
Heute, am 14. November, ist Weltdiabetestag. Seit 1991 macht er mit verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen auf die zunehmende Verbreitung der chronischen Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus aufmerksam. Dies ist gegenwärtig mehr als nötig. Denn die Zahl an Betroffenen ist in den...
Herr Prof. Gallwitz, was ist Gürtelrose, und wodurch entsteht diese Erkrankung?

Gürtelrose ist eine Infektionserkrankung, die viele Jahre und Jahrzehnte als Folge einer Windpockenerkrankung auftreten kann. Auch unter dem Namen Herpes Zoster ein Begriff, wird die Erkrankung durch sogenannte Varizella-Zoster-Viren ausgelöst. Diese nisten sich nach zumeist im Kindesalter durchgemachter Infektion in bestimmten Nervenzellen ein, schlummern dort ein Leben lang und treten zu einem späteren Zeitpunkt erneut in Erscheinung.

Wie kann es zu einer Reaktivierung des Virus kommen?

Das ist dann möglich, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Vor allem ab dem 50. Lebensjahr ist die Wahrscheinlichkeit, an Gürtelrose zu erkranken, erhöht – ganz unabhängig davon, wie es um den eigenen Gesundheitszustand bestellt ist. Denn im Laufe der Jahre nimmt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems auf natürliche Weise ab. So haben es die Viren leichter auszubrechen. Zudem können weitere chronische Krankheiten, wie Rheuma, Diabetes oder Krebs, sowie psychischer Stress als zusätzliche Risikofaktoren die Immunabwehr schwächen.

Welche Beschwerden verursacht Herpes zoster?

Bei Gürtelrose entzünden sich eine oder mehrere Nervenwurzeln, in denen das Virus reaktiviert wird. Viele Betroffene leiden unter teils unerträglichen Nervenschmerzen. Hinzu kommt ein einseitiger, gürtelförmiger Hautausschlag mit brennenden oder juckenden Bläschen – insbesondere im Bereich des Rumpfes. Nicht selten sind zudem Fieber und Abgeschlagenheit.

 Durchstechflasche mit Aufschrift Herpes-Zoster-Impfstoff
Bild: iStock / Getty Images Plus / Kittisak Kaewchalun
Viele Betroffene haben ebenso mit Spätfolgen zu kämpfen …

Absolut. Denn eine Nervenentzündung mit Schmerzen kann sich chronifizieren. Diese sogenannte Neuralgie kann bei bis zu 30 Prozent der Menschen mit Gürtelrose auftreten – ohne dass die Nervenschmerzen jemals komplett abheilen. Das ist für die Betroffenen in der Regel noch belastender, da deren Lebensqualität stark beeinträchtigt ist.

Sie erwähnten Diabetes. Warum ist bei Menschen mit Diabetes das Risiko, an Gürtelrose zu erkranken, um mehr als 30 Prozent erhöht?

Bei Diabetes ist das Immunsystem geschwächter als bei gesunden Menschen. Denn man weiß, dass Blutzuckerschwankungen und besonders hohe Blutzuckerwerte die Immunabwehr schwächen. Sie führen dazu, dass die Abwehrzellen des Immunsystems – die weißen Blutkörperchen und Lymphozyten – weniger gut Botenstoffe, welche Infektionen in Schach halten, abgeben können. Auch ist bei langjährig bestehendem Diabetes häufig die Durchblutung etwas schlechter, was die Infektanfälligkeit erhöhen kann. Wir sehen das nicht nur bei Gürtelrose, sondern auch bei anderen Infektionserkrankungen. 

Umgekehrt kann Gürtelrose aber auch Diabetes verschlechtern …

Richtig, denn wir wissen auch, wenn eine akute Infektion besteht, kann sich der Blutzuckerstoffwechsel verschlechtern und instabiler werden. Menschen mit Diabetes müssen sich bei einer Infektion viel intensiver um ihre Stoffwechsellage kümmern. Das ist wichtig, um keine Blutzuckerentgleisungen 
zu erleben.

Gemäß Empfehlungen der Ständigen Impfkommission sollte man sich ab 60 Jahren gegen Gürtelrose impfen lassen. Gilt dies auch für Menschen mit Diabetes?

Die STIKO empfiehlt Menschen mit Diabetes, sich bereits mit 50 Jahren impfen zu lassen. Bei sehr instabiler Stoffwechsellage und weiteren Begleiterkrankungen sollte man in Erwägung ziehen, die Impfung, die in zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten gegeben wird, auch schon früher einzusetzen.

Grafik: So schlägt das Varizella-Zoster-Virus zweimal zu
Gehen Nebenwirkungen mit der Impfung einher?

Es können lokale Reaktionen in Form von Schmerzen, Rötung oder Schwellungen an der Einstichstelle auftreten. Kurzfristig kann es ebenso zu Müdigkeit und zu einem leichten Krankheitsgefühl kommen, so wie auch bei anderen Impfungen, wie etwa der Influenza-Impfung.

Sollten Menschen, die bereits eine Gürtelrose durchgemacht haben, sich dennoch impfen lassen?

Auf jeden Fall, da man an einer Gürtelrose mehrfach erkranken kann. Bereits Erkrankte sind nicht automatisch immun; das Virus schlummert weiter im Körper. Durch die Impfung wird das Auftreten einer Gürtelrose um 90 Prozent reduziert.

Gibt es weitere Impfungen, die für Menschen mit Diabetes wichtig sind?

Grundsätzlich sollten sie Sorge dafür tragen, die empfohlenen Impfungen wahrzunehmen. Dazu zählen einmal jährlich eine Grippeschutzimpfung, die sich gut mit einer COVID-19-Impfung kombinieren lässt. Auch wird empfohlen, sich gegen Pneumokokken und die Frühsommer-Meningoenzephalitis, die durch Zecken übertragen wird, impfen zu lassen. Gleiches gilt für RSV, ein Virus, das die Atemwege befällt. Nicht zuletzt wird Patientinnen und Patienten, die eine Dialyse beziehungsweise einen Gefäßeingriff vor sich haben, zu einer Impfung gegen Hepatitis B geraten.

Schon gewusst?

Eine Impfung gegen Gürtelrose empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO):

  • allen Personen ab 60 Jahren,
  • allen Personen ab 50 Jahren, deren Immunsystem durch Krankheit oder Therapie geschwächt ist,
  • allen Personen ab 50 Jahren mit Grunderkrankungen wie Diabetes, rheumatoider Arthritis, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, chronischer Lungenerkrankung und Asthma.

Quelle: www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-erwachsene/guertelrose-herpes-zoster/; letzter Zugriff: 29.10.2025