Die häufigste Herzrhythmusstörung ist mit 800.000 Fällen das Vorhofflimmern. Es entsteht durch falsche Impulse angrenzenden Muskelgewebes und verändert innerhalb des Herzens die Fließgeschwindigkeit des Blutes. Dadurch können sich Gerinnsel bilden, die dann möglicherweise wandern und zu einem Gehirnschlag führen. Für 20 Prozent aller Schlaganfälle, das sind 50.000 Personen pro Jahr, ist ein Vorhofflimmern verantwortlich. Und es kann sogar lebensbedrohlich sein, denn 37 Prozent aller Patienten sterben im Jahr nach dem ersten Schlaganfall.
Ohne Früherkennung keine Schlaganfallprävention
Eigentlich lassen sich sowohl die Gerinnungsprozesse als auch der Rhythmus medikamentös gut regulieren. Auch moderne minimal-invasive Eingriffe, die falsche Herzimpulse isolieren (Katheterablation), haben in erfahrenen Herzzentren eine Erfolgsquote von bis zu 90 Prozent. Dafür muss aber das Vorhofflimmern erst einmal diagnostiziert werden. Aber leider bemerken viele Patienten zunächst gar nichts von ihrer Erkrankung oder stufen die Rhythmusstörung oder ein Stolpern des Herzens als harmlos ein. Auch Ärzte können die oft sehr sporadisch auftretenden Herzrhythmusstörungen mit herkömmlichen Ruhe- oder Langzeit-EKGs nicht immer aufspüren, und andere Untersuchungsmethoden, etwa implantierbare Event-Rekorder, gelten zunächst als zu aufwändig.
Hilfe aus dem Smartphone: Herz-Apps
Die innovativsten Produkte auf diesem Sektor sind wohl die Herz-Apps, die eine Art Mini-EKG über das Smartphone ermöglichen. Drei Methoden sind dabei verbreitet: die längere Durchleuchtung eines Fingers über Lichtzelle und Fotolinse, dann die Auswertung von Selfie-Aufnahmen der Gesichtshaut und schließlich Messungen per Haut-Elektroden, die mit dem Smartphone verbunden werden. Die Ergebnisse werden auf Basis von Datenbankabgleichen bewertet. Sind nach regelmäßigen Messungen deutliche Unregelmäßigkeiten erkennbar, sollten die Werte dem Arzt vorgelegt werden.
In einer wissenschaftlichen Studie untersuchten Kardiologen aus Zürich und Berlin 2017 mehrere Apps: Dabei schnitten vor allem die Verfahren mit direktem Fotolinsen-Hautkontakt beim Vergleich mit professionell verwendeten EKG-Geräten sehr gut ab. Allerdings spiele hierbei die Qualität der verwendeten Smartphone-Kamera eine entscheidende Rolle, so die Wissenschaftler.
Fazit: Solange Patienten diese Messwerte also weder unter- noch überschätzen und sich regelmäßig mit ihrem Arzt abstimmen, kann die moderne Technik durchaus bei der Früherkennung helfen.