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Herzdiagnostik

Nicht-invasive Alternativen zur Herzkatheteruntersuchung

Prof. Dr. Christoph Hammerstingl, Chefarzt der kardiologischen Klinik des Eduardus-Krankenhauses in Köln, über den unterbewerteten Stellenwert der Echokardiographie in der kardiologischen Versorgung.

Von Prof. Dr. Christoph Hammerstingl
· 2024
Prof. Hammerstingl

Es heißt, viele der diagnostischen Herzkatheteruntersuchungen in Deutschland seien unnötig, stimmt das?

Das ist korrekt. Viele der jährlich circa 500.000 Untersuchungen wären rückblickend betrachtet nicht zwingend notwendig. Es muss jedoch bedacht werden, dass diese Untersuchungen immer durchgeführt werden, um lebensbedrohliche Erkrankungen auszuschließen. Besser sollte man also die Frage stellen, welche Art von Untersuchung man hätte stattdessen machen können.

Gibt es denn Möglichkeiten, Patienten vorzuselektieren, um Herzkatheter zu vermeiden? 

Ja, nach kardiologischen EU- und US-Leitlinien sollen nicht-invasive Verfahren wie eine Herz-MRT, die Computertomografie oder eine Stressechographie dem Katheter bei Patientinnen und Patienten, die nicht im akuten Herzinfarkt kommen, vorgeschaltet werden. Die Echokardiographie hat hierbei sicherlich eine Sonderstellung. Sie kann bei so gut wie allen Patienten angewendet werden, ist schnell verfügbar, kostengünstig und ihre Aussagekraft ist vergleichbar gut wie beim MRT oder CT. Mit dem Einsatz von modernen kontrastmittelverstärkten Ultraschall-Diagnostikmethoden wie CEUS verbessert sich die diagnostische Trennschärfe bei der Stressechokardiographie zudem nochmals deutlich. 

Inwiefern profitiere ich als Patient von der Echokardiographie?

Angenommen, Sie haben Probleme mit Ihrem Herzen und stellen sich in einer kardiologischen Praxis vor, dann möchten Sie möglichst schnell erfahren, ob es sich um etwas Ernstes handelt. Wenn der Kardiologe Sie aber für die weiterführende Diagnostik, also dem CT oder MRT, in Zukunft an einen Radiologen überweist, müssen Sie sich zum Teil mehrere Wochen bis zum Termin gedulden. Eine Stress-Echokardiografie-Untersuchung, auch mit Kontrastmittel, kann direkt beim Kardiologen durchgeführt werden, und zwar teilweise am selben Tag. Das heißt im Idealfall erhalten Sie sehr schnell Entwarnung, wenn eine lebensbedrohliche Erkrankung des Herzens ausgeschlossen wird, und brauchen damit auch keinen Herzkatheter – oder Sie bekommen rasch und gezielt Ihre weiterführende Therapie. 

Unterm Strich bietet die moderne Stressechokardiografie für die Kardiologie also viele Vorteile, wird aber eher selten durchgeführt. Woran liegt das?

Es ist wirtschaftlich im Praxisalltag mit der aktuellen Vergütung schlicht nicht abbildbar. Daher sind es definitiv noch zu wenige, die es umsetzen, obwohl es für alle Seiten ein echter Gewinn wäre. Eine adäquate Aufwertung dieses Diagnoseverfahrens wäre mehr als erstrebenswert, um die Versorgungsqualität zu verbessern und um letztendlich für alle Seiten auch noch Kosten zu sparen. 

Kontakt

Eduardus-Krankenhaus gGmbH
Custodisstr. 3-17
50679 Köln
Telefon: 0221/8274 -0
E-Mail: medizintechnik@eduardus.de
Web: https://www.eduardus.de/

Erschienen in

Volkskrankheiten

am 29. Dezember 2024 in „Handelsblatt“
Der Philosoph Arthur Schopenhauer hat schon im 19. Jahrhundert festgestellt: „Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“. Dieses Zitat hat an Bedeutung nichts verloren, ist heute aktueller denn je. Körperliches und seelisches Wohlbefinden bestimmt...