Eine Frau in der ärztlichen Sprechstunde

Herzprobleme bei Frauen

Schlagen Frauenherzen anders?

Sie sind kleiner und schlagen schneller, aber etwas schwächer: Frauenherzen unterscheiden sich in der Anatomie und erkranken anders als Männerherzen. Auch sind sich viele Frauen der speziellen Risiken für ihre lebenswichtige Pumpe nicht bewusst. 

Nadine Effert
· 2025

Geht es um geschlechtsspezifische Gesundheitsrisiken, dann denken viele Menschen bei Frauen an Brustkrebs, Osteoporose oder Depressionen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden hingegen immer noch unterschätzt, obwohl auf deren Konto die jährlich meisten Sterbefälle gehen. „Auch bei Frauen sind Herzkrankheiten wie die Herzschwäche und die koronare Herzkrankheit der häufigste Grund für Krankenhauseinweisungen und vorzeitigen Tod“, warnt der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Am häufigsten sterben Frauen an der koronaren Herzkrankheit (KHK) mit über 51.000 Sterbefällen (2023), darunter rund 17.500 am Herzinfarkt, der längst keine „Männerkrankheit“ darstellt.1

Erschienen in

Ladies First!

am 27. Mai 2025 in „freundin“
Wussten Sie, dass Ihr Herz anders schlägt als das eines Mannes? Kennen Sie die besten Tipps, um Venen fit zu halten? Schon mal was davon gehört, dass Frauen häufiger von einer Gürtelrose betroffen sind? Oder sind Ihnen Ihre genetischen Vorteile für mehr Longevity bewusst?...
Ärztin zeigt Modell eines Herzens

Hormoneller Schutz schwindet

Es gibt jedoch auch Unterschiede – und zwar nicht nur anatomisch die Größe und Pumpleistung des Organs betreffend. Frauen genießen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in ihrem Leben einen Schutz durch das weibliche Hormon Östrogen, sodass viele Herzkrankheiten meist zehn Jahre später als bei Männern auftreten. „Kommen Frauen in die Wechseljahre, können die hormonellen Veränderungen die Risikokonstellation für Herz und Gefäße verschärfen. Die Wechseljahre verlangen von Frauen daher besondere Aufmerksamkeit für ihren Herzschutz“, betont Prof. Dr. med. Christiane Tiefenbacher, Chefärztin der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie am Marien-Hospital Wesel. „Allerdings können auch jüngere Frauen weit vor der Menopause an Herz und Gefäßen erkranken und, wenn auch seltener als im hohen Alter, einen Herzinfarkt erleiden oder an einer Herzschwäche erkranken. Dafür müssen wir Frauen mehr sensibilisieren.“

Eine Frau hält sich die Brust vor Schmerz

Risikofaktor Stress

Mehr Awareness gilt es auch zu schaffen für die geschlechtsunabhängigen Risikofaktoren. Dazu zählen: Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht sowie Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Stress sowie ungenügend oder unregelmäßiger Schlaf. Wobei Stress laut Studien dem weiblichen Herz mehr schadet. Grund sind die Stresshormone, die bewirken, dass sich vor allem die Herzkranzgefäße verengen. Diese sind bei Frauen kleiner und empfindlicher. Auch sind Frauen anfälliger gegenüber vor allem sozialen Stressfaktoren, was mit einem deutlichen Anstieg der KHK einhergeht. „Neue Daten deuten darauf hin, dass auch junge Frauen überproportional anfällig für die negativen Auswirkungen von Stress auf das Herz-Kreislauf-System sind“, sagt die Gendermedizinerin der Deutschen Gesellschaft für Geschlechtsspezifische Medizin (DGesGM), Prof. Dr. med. Ute Seeland. „Das gilt sowohl für die Entstehung als auch für die Prognose einer KHK.“

Schon gewusst?

Eine Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung brachte zutage, dass bei Frauen über 65 Jahren mit Symptomen eines Herzinfarktes im Schnitt über viereinhalb Stunden vergehen, bis sie in die Notaufnahme kommen – bei Männern gleichen Alters dauert es nur dreieinhalb Stunden.2 Gerade bei älteren Frauen sind die Herzinfarktsymptome weniger charakteristisch. Sie berichten eher weniger von Brustschmerzen als von einem Druck- oder Engegefühl in der Brust. Weitere Symptome können sein:

  • Kurzatmigkeit / Atemnot
  • Schweißausbrüche
  • Rückenschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen 
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Ziehen in den Armen
  • Unerklärliche Müdigkeit

 

Das weibliche Herz reagiert empfindlicher auf Stress.

 

Anders aus dem Takt

Die KHK erhöht nicht nur das Risiko für einen Herzinfarkt oder eine Herzschwäche, sondern steht auch im Zusammenhang mit Herzrhythmusstörungen. Die gefährlichste ist das Kammerflimmern. Es führt unbehandelt zum plötzlichen Herztod. Jährlich versterben in Deutschland etwa 65.000 Menschen daran.1 Die gute Nachricht: Frauen werden seltener davon heimgesucht. Eine Erklärung ist, dass die KHK bei ihnen seltener auftritt als bei Männern. Dennoch gilt, egal, ob Frau oder Mann: Die Vorsorge im Rahmen des Gesundheits-Check-ups und die Früherkennung dürfen nicht vernachlässigt werden. Symptome wie etwa Atemnot, Druckgefühl in der Brust, Schwindel oder Herzrasen sollten immer ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.

Schon gewusst?

Broken-Heart-Syndrom trifft fast nur Frauen

Das Takotsubo-Syndrom („Broken Heart“) wird überwiegend bei postmenopausalen Frauen gesehen – etwa 90 Prozent sind Frauen.3 Der Auslöser ist oft starker Stress und der kann sogar positiv sein („Happy Heart“ nach freudigen Ereignissen). Das EKG und die Symptome ähneln einem Herzinfarkt, die Herzkranzgefäße sind aber nicht verstopft. Das typische Blutgerinnsel fehlt.

Fazit: Herzprobleme sind die häufigste Todesursache

Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen sind oft unterschätzt und nicht nur ein Problem höheren Alters. Mit den Wechseljahren sinkt der hormonelle Schutz, während Stress und klassische Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen das Risiko zusätzlich erhöhen. Warnzeichen wie Atemnot, Druck in der Brust, Schwindel oder Herzrasen sollten immer ernst genommen und zeitnah ärztlich abgeklärt werden. Entscheidend sind regelmäßige Check-ups, ein herzgesunder Lebensstil und mehr Aufmerksamkeit für frauenspezifische Besonderheiten.