Frau Dr. Roser, was bedeutet HypoPT genau?
Das ist eine seltene chronische hormonelle Erkrankung, bei der der Körper zu wenig oder kein Parathormon bildet. Dieses Hormon wird in den Nebenschilddrüsen gebildet und ist entscheidend für die Regulation des Calcium- und Phosphathaushalts. Calcium ist unverzichtbar für viele Körperfunktionen wie die Muskelarbeit, Nervenleitung, Blutgerinnung und Knochengesundheit.
Wer gehört zur Risikogruppe?
Das sind Menschen, die im Halsbereich operiert wurden, insbesondere an der Schilddrüse. Werden dabei die sehr kleinen Nebenschilddrüsen geschädigt oder versehentlich entfernt, kann sich ein chronischer HypoPT entwickeln. Da Frauen häufiger an Schilddrüsenerkrankungen leiden und deshalb öfter operiert werden, sind sie auch häufiger davon betroffen. Aber auch genetische Veränderungen oder bestimmte Autoimmun- und Stoffwechselerkrankungen können zu einem HypoPT führen.
Wie äußert sich die Erkrankung?
Typisch sind eine ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung genauso wie Taubheitsgefühle an den Händen, Füßen oder im Gesicht. Betroffene berichten zudem von innerer Unruhe, Ängsten, Konzentrationsproblemen und dem Gefühl, nicht mehr klar denken zu können. In ausgeprägten Fällen können auch Herzrhythmusstörungen auftreten. Nach Schilddrüsenoperationen gilt es deshalb, Warnzeichen wie anhaltendes Kribbeln und starke Erschöpfung oder geistige Leistungseinbußen abklären zu lassen. Denn bleibt die Erkrankung unerkannt, kann sie die Lebensqualität stark beeinträchtigen und langfristig Organe schädigen.
Welche Behandlungsoptionen gibt es?
Die Standardtherapie besteht aus einer Kombination von Calciumpräparaten und aktivem Vitamin D. Ziel ist es, damit den Calciumspiegel im unteren Normbereich zu halten und die Beschwerden zu kontrollieren. Sind Betroffene dennoch eingeschränkt leistungsfähig, kann eine Hormonersatztherapie mit Parathormon in Betracht kommen.
Was raten Sie Betroffenen, wenn es ihnen nicht gut geht?
Wichtig ist, die Symptome nicht zu bagatellisieren und sich zeitnah in einer spezialisierten endokrinologischen Praxis oder Klinik vorzustellen. Laborwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen, den offenen Dialog zu suchen und zudem Selbsthilfegruppen aufzusuchen, hilft langfristig, eine gute Lebensqualität aufrechtzuerhalten.