Laut Robert Koch-Institut leben in Deutschland schätzungsweise 10.800 Menschen, die nichts von ihrer HIV-Infektion wissen – das betrifft vor allem Frauen. Warum das so ist, erklärt Armin Schafberger, Medizinreferent der Deutschen Aidshilfe (DAH): „Gerade bei Frauen wird HIV häufig lange übersehen, wenn sie zu keiner besonders stark von HIV betroffenen Gruppe gehören. Das hat verschiedene Gründe: HIV ist im Praxisalltag selten. Die Symptome einer HIV-Infektion können auch andere Ursachen haben. Das Gespräch über Sexualität kann heikel sein.“ Die Folge: Von rund 700 jährlichen HIV-Diagnosen bei Frauen erfolgt jede dritte erst, wenn bereits ein schwerer Immundefekt eingetreten ist. Dabei ist ein frühzeitiger Therapiebeginn entscheidend – auch wenn es um das Thema Kinder geht.
Kind trotz HIV: Therapie minimiert Risiko
Zwar kann sich das Virus, etwa während der Geburt über die Vaginalschleimhaut, von der Mutter auf das Kind übertragen. Bei erfolgreicher Therapie, sprich einer Viruslast bis spätestens zum Zeitpunkt der Entbindung unter der Nachweisgrenze, liegt die Übertragungsrate jedoch bei unter einem Prozent. Daher lautet der Expertenrat, sich (spätestens) in den ersten Wochen der Schwangerschaft im Rahmen des Vorsorgeangebots testen zu lassen. Denn die Erkenntnis zu diesem frühen Zeitpunkt bietet die Chance, durch den umgehenden Start einer Therapie die sogenannte Mother-to-Child Transmission (MTCT) bis zur Geburt ausreichend zu minimieren. Eine Sache, bei der sich medizinische Fachleute noch nicht ganz einig sind, ist das Stillen: „No-Go“ oder „Breast is best“?
Stillen gemäß neuer Leitlinie
Gemäß den neuen „Deutsch-Österreichischen Leitlinien zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen“ sollten Frauen mit Stillwunsch sich frühzeitig und wertfrei über die Vor- und Nachteile informieren. Voraussetzungen für sicheres Stillen sind vor allem „eine nicht nachweisbare Viruslast, die regelmäßige Einnahme der HIV-Medikamente sowie die Bereitschaft, die Viruslast von Mutter und Kind regelmäßig zu überprüfen“. Zudem müsse eine interdisziplinäre Begleitung während der Still- und Abstillzeit sichergestellt sein. So können Frauen nicht nur bei der Geburt, sondern auch danach Normalität erfahren – und dies trotz ihrer HIV-Infektion.
Quellen:
Deutsche Aidshilfe: Frauen & HIV
Deutsche Aidshilfe: Gynäkologie kann Aids verhindern
AWMF online: HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen