Julia ließ sich von ihrem familiären Umfeld Schuldgefühle einreden. Lillian musste andere Eltern in der Kita aufklären, dass von ihrer Tochter keine Gefahr ausgeht. Psychologie-Student Olli behielt auf Anraten anderer seine HIV-Infektion zunächst für sich. Dies sind drei echte Geschichten von HIV-positiven Protagonistinnen und Protagonisten einer Kampagne zur Aufklärung gegen Vorurteile und Ablehnung von Menschen mit einer Infektion mit dem menschlichen Immunschwäche-Virus, von denen in Deutschland schätzungsweise 96.700 leben – darunter etwa 8.200 noch nicht diagnostiziert.
Leben mit HIV: Diskriminierung beenden
Aus medizinischer Perspektive ist HIV inzwischen eine gut behandelbare Infektionskrankheit. Im Alltag sehen sich HIV-positive Menschen allerdings noch immer mit Diskriminierung und Berührungsängsten konfrontiert. Im Rahmen der Studie „positive stimmen 2.0“ erklärten 90 Prozent der Befragten, sie würden zwar gut mit ihrer HIV-Infektion leben, 95 Prozent jedoch hatten im Jahr vor der Befragung Diskriminierung erlebt, mehr als die Hälfte gab an, Vorurteile würden ihre Lebensqualität beeinträchtigen. „Menschen mit HIV anders zu behandeln als andere ist völlig unnötig – und ganz klar diskriminierend“, stellt Matthias Kuske, Projektkoordinator bei der Deutschen Aidshilfe (DAH), fest. „Die üblichen Hygienemaßnahmen reichen völlig aus. Unter Therapie ist HIV ohnehin nicht mehr übertragbar.“