Die Nachbarin ist Vegetarierin, für Sabine bitte nur Rohkost, auf gar keinen Fall Milch oder Schalentiere für Henning und die Schwester fragt, ob Butter in der Soße sei. Ein gemeinsames Essen, bei der alle ohne die Frage nach Inhaltsstoffen beherzt zugreifen können, wird immer mehr zur Ausnahme.
Verzicht liegt im Trend
Laut einer Ernährungsstudie der Techniker Krankenkasse aus 2017 gaben 45 Prozent der Befragten an, dass ihr Essen in erster Linie gesund sein muss. Was aber bedeutet eigentlich „gesund“? Paleo mit einem Speiseplan aus der Steinzeit, Clean Eating, das auf unverarbeitete Lebensmittel setzt, oder Raw Food, bei dem Lebensmittel nicht über 48 Grad erwärmt werden dürfen? Ein als gesund angepriesener Ernährungstrend folgt dem nächsten. Und etliche davon bestehen vornehmlich aus Verzicht: kein Fast Food, kein Fleisch, keine industriellen Zusatzstoffe. Parallel streichen auch immer mehr Menschen bewusst natürliche Inhaltsstoffe wie Milch, Weizen oder Obst von ihrem Speiseplan. Einer der Gründe dafür ist, dass sich „selbst diagnostizierte“ Intoleranzen zu einem regelrechten Trend entwickelt haben.
Wenn das täglich Brot krank macht
Während für einige Menschen ihre vermeintlichen Unverträglichkeiten eher ein Lifestyle sind, ist eine tatsächliche Nahrungsmittelunverträglichkeit ein Enzymdefekt, der hartnäckige und sehr unangenehme Symptome verursachen kann. So führen zum Beispiel im Falle einer Zöliakie glutenhaltige Lebensmittel bei den Betroffenen zu einer Entzündung im Dünndarm. Unbehandelt oder zu spät erkannt, kann diese chronische Erkrankung zu schweren gesundheitlichen Einschränkungen führen. Denn durch die Entzündung der Darmschleimhaut bilden sich die sogenannten Zotten, fingerförmige Erhebungen der Dünndarmschleimhaut, zurück. Die Oberfläche des Dünndarms verringert sich und Nährstoffe können nicht mehr in vollem Umfang aufgenommen werden.
Nahrungsmittelunverträglichkeit: Arztbesuch statt Eigentherapie
Nicht jeder, der nach dem Essen Bauchschmerzen hat, leidet unter einer Unverträglichkeit. Verdächtige Lebensmittel sollten auch nicht in Eigenregie weggelassen werden. Das ist nicht nur oft überflüssig, sondern kann auch die Diagnose anderer zugrunde liegender Ursachen erschweren oder auf Dauer zu einem Nährstoffmangel führen. Stattdessen ist bei anhaltenden oder wiederkehrenden Magen-Darm-Problemen ein Arztbesuch unverzichtbar. Dieser kann mit medizinischen Tests eine eindeutige Diagnose stellen und andere Ursachen ausschließen.
Wird tatsächlich eine Unverträglichkeit diagnostiziert, bedeutet das nicht automatisch den Verzicht auf Lebensqualität. Ganz im Gegenteil: Gewusst wie, kann mithilfe von Fachärzten oder Ernährungstherapeuten nicht nur eine gesunde, sondern auch eine leckere und abwechslungsreiche Ernährung sichergestellt werden – und das ganz ohne Bauchweh!