Es sind insbesondere jene Zellen im Gehirn, welche die körpereigene Substanz Dopamin erzeugen, die bei Menschen mit Parkinson eine entscheidende Rolle spielen: Sie gehen allmählich zugrunde, sodass es zu einem Überangebot anderer Botenstoffe im Gehirn kommt. Aus diesem Ungleichgewicht heraus resultieren die motorischen Beschwerden wie Zittern oder Gangstörungen. Das Problem: Eine späte Diagnose ist häufig, da zu Beginn unspezifische Symptome auftauchen, die nicht direkt mit der Erkrankung, von der in Deutschland rund 400.000 Menschen betroffen sind, in Verbindung gebracht werden.
Späte Diagnose
„Offiziell beginnt Parkinson dann, wenn motorische Symptome auftreten (...)“, erklärt PD Dr. Michael Sommerauer, Experte für Parkinson und Schlafmedizin am Universitätsklinikum Bonn (UKB). „Aber wir wissen inzwischen, dass diese sichtbaren Symptome im biologischen Krankheitsverlauf sehr spät kommen.“ Dem Ausbruch der Krankheit gehen erwiesenermaßen bis zu 30 Jahre Veränderungen im Nervensystem voraus. So können auch frühe Symptome wie Riech- und Schlafstörungen, Gedächtnisprobleme oder Verstopfung auf die neurodegenerative Erkrankung hindeuten.
Parkinson beginnt früher als angenommen.
Entscheidend für die Lebensqualität der Betroffenen wäre es, eine Parkinson-Erkrankung früh, idealerweise vor den motorischen Symptomen, zu erkennen und zu behandeln – hauptsächlich mit Medikamenten, die den Dopaminmangel im Gehirn ausgleichen. Bei der Frühdiagnostik könnte insbesondere der sogenannten REM-Schlaf-Verhaltensstörung, bei der Betroffene Träume körperlich ausleben, indem sie schlagen, schreien oder treten, eine Schlüsselrolle zukommen.
Neurodegenerative Erkrankungen: Zuverlässige Testmethode
„Wir wissen, dass 80 bis 95 Prozent der Menschen mit isolierter REM-Schlaf-Verhaltensstörung in den folgenden 10 bis 15 Jahren Parkinson oder eine Parkinson-Demenz entwickeln“, so Neurologe Sommerauer. Er und sein Team tüfteln aktuell an einem neuen System für die breite Frühdiagnostik, „das über ein Tablet in wenigen Minuten motorische Auffälligkeiten erfassen kann – direkt in der Hausarztpraxis.“ Darüber hinaus werden in Bonn kognitive Trainingsprogramme für Betroffene mit REM-Schlaf-Verhaltensstörung getestet.
Bis die Forschung so weit ist, die Entstehung von Parkinson deutlich besser zu verstehen, um früher eingreifen zu können, liege, so der Experte, die Chance vor allem darin, mit einem gesunden Lebensstil, allem voran ein gesunder Schlaf und körperliche Aktivität, das Risiko für Parkinson positiv zu beeinflussen.