Sie ist trocken, gerötet und juckt: In der Haut von Neurodermitikern möchte keiner stecken. Der Drang nach ständigem Kratzen macht die chronisch-entzündliche Hautkrankheit zur echten Qual. Fakt ist: Betroffene leiden unter ihrer eigenen Körperabwehr. Das Immunsystem reagiert auf eigentlich harmlose Stoffe mit Entzündungen und produziert übermäßig viel Immunglobulin E. Die Folge: Die Mastzellen in der Haut werden aktiviert, vermehrt Histamine auszuschütten. Diese verstärken Entzündungen und verursachen den charakteristischen Juckreiz. Außerdem bringen sie die natürliche Schutzfunktion der Haut durcheinander, wodurch irritierende Substanzen leichter eindringen können.
Pollen lösen Kettenreaktion aus
Zu solchen irritierenden Substanzen zählen auch Pollen jeglicher Art, die seit Beginn des Frühlings fleißig durch die Lüfte fliegen und nicht nur Heuschnupflern das Leben schwer machen. Denn treffen Pollenflug und Sonnenstrahlen auf dem Körper aufeinander, geht das große Jucken für manche Neurodermitiker erst so richtig los. Das hat eine Studie des Instituts für Umwelttechnik am Helmholtz Zentrum München im vergangenen Jahr herausgefunden. Die Haut ist bei Betroffenen „wie ein Sieb“, beschreibt Instituts-Leiterin Claudia Traidl-Hoffmann. In die Haut eingedrungene Pollen stoßen einen Dominoeffekt an. „In den Hautzellen wird eine ganze Maschinerie angeworfen, das sogenannte Inflammasom“, erklärt die Wissenschaftlerin. Dieser Proteinkomplex führt zur Überreaktion des Immunsystems, eine Entzündungsreaktion wird ausgelöst, die sich durch die energiereichen UV-B-Strahlen intensiviert. Rund zehn bis 15 Prozent der Patienten zeigen laut Studie diese Auffälligkeiten. Wer sich an dieser Stelle wundert, dass UV-Strahlung auch in der Therapie eingesetzt wird: Dabei handelt es sich in der Regel um die schwächeren UV-A-Strahlen.
Neurodermitis im Sommer: Haut richtig schützen
Doch was bedeutet das Ergebnis der Studie? Betroffene sollten sich vor dem Mix aus Pollen und UV-Strahlung ausreichend schützen durch Kleidung und guten Lichtschutz, der auch als Barriere für die Pollen dient. Ein Tipp, der für alle Neurodermitiker gilt: Am besten einen Sonnenschutz verwenden, der die Haut intensiv mit Feuchtigkeit versorgt und wenig bis gar keine Duft- und Konservierungsstoffe, Parabene und Emulgatoren enthält. Forscher sind derweil auf der Suche nach Biomarkern, die voraussagen, welche Patienten auf welche Umwelteinflüsse reagieren. Dadurch könnte in Zukunft die Therapie individuell angepasst und Symptome zielgerichteter gelindert werden.