Ob Akupunktur, Kortison-Spritzen oder Physiotherapie: Dauerhaft Rückengeplagte kennen wahrscheinlich alle Medikamente und Therapien im Kampf gegen Kreuzschmerzen. Schuld sind nicht selten Abnutzungserscheinungen, die ihre Spuren hinterlassen. Bringen konservative Therapien keine Besserung, sind zumeist Implantate das Mittel der Wahl, sei es bei Deformitäten der Wirbelsäule, Bandscheibenvorfällen oder auch bei einer Spinalkanalstenose. Für letztere Krankheit kennzeichnend ist eine Einengung des Nervenkanals in der Wirbelsäule, die mit Schmerzen, Taubheit und Brennen einhergehen kann. Damit die eingeengten Nervenwurzeln wieder mehr Platz gewinnen, wird mithilfe eines Implantats der Abstand zwischen den Dornfortsätzen aufgespreizt und erweitert. So können Rücken- und Beinschmerzen schnell abklingen.
Orthopädische Implantate: Hohe Anforderungen an Materialien
Damit jedoch Implantate keine Komplikationen verursachen, müssen sie strengen Vorschriften genügen. Neben zu schnellen Abnutzungserscheinungen gehört das mögliche Auslösen von Allergien zu den absoluten No-Gos. Wer möchte schon direkt nach Einsetzen des Implantates direkt wieder auf dem OP-Tisch landen. Insbesondere Metalle, wie Nickel, Kobalt und Chrom, haben ein erhöhtes Potenzial für allergische Reaktionen. Und zwar nicht nur bei direktem Kontakt mit der obersten Hautschicht, sondern auch mit tieferen Gewebeschichten. Wird eine Kontaktallergie gegen bestimmte Metalle nachgewiesen, gibt es heutzutage Alternativen zum Beispiel aus Titan, aber auch immer häufiger aus dem Hochleistungskunststoff PEEK, teils in Kombination mit anderen nicht-metallischen Materialien. Zudem sind moderne Implantate mit diversen Bildgebungsverfahren kompatibel. Warum ist das wichtig? Bei der Behandlung von Wirbelsäulentumoren etwa ermöglicht die Strahlendurchlässigkeit eine bessere Abgrenzung des Tumors von gesundem Gewebe. So kann die Tumorbehandlung optimiert und die Nachkontrolle erleichtert werden.
3D-Druck nimmt an Fahrt auf
Wo geht künftig die Reise hin? Stichwort: 3D-Druck, der bereits in der Knieprothetik für maßgeschneiderte Prothesen sorgt. Und nicht nur da: Auch Wirbelsäulen-Implantate kommen immer häufiger aus dem 3D-Drucker. Neueste funktionelle Modelle aus Titan haben den Vorteil, sich an die individuellen Gegebenheiten anzupassen. Pluspunkt: Durch die formlose Konstruktion des Bauteils sind hohe Material- und Kostenersparnisse möglich. Auch werden laut Experten zukünftig Degenerationserkrankungen der anschließenden Wirbel deutlich seltener auftreten – was zu weniger Beschwerden bei den Patienten und Therapien im Kampf gegen Kreuzschmerzen führen könnte.