Ist Gürtelrose eine Hauterkrankung?
Nein, sie äußert sich zwar durch einen charakteristischen Hautausschlag, doch die Ursache liegt im Nervensystem. Gürtelrose wird durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst – denselben Erreger, der auch Windpocken verursacht. Nach der akuten Erkrankung zieht sich das Virus in bestimmte Nervenzellbereiche zurück – vor allem in die Spinalganglien entlang des Rückenmarks, aber auch in die Kerngebiete der Hirnnerven. Dort verbleibt es jahrelang inaktiv, ohne Beschwerden zu verursachen. Kommt es zu einer Schwächung des Immunsystems – zum Beispiel durch Alter, Stress, Erkrankungen wie Krebs oder HIV, die Einnahme bestimmter, vor allem immunschwächender Medikamente –, kann das Virus reaktiviert werden. Es „wandert“ entlang der Nervenbahnen zur Haut und verursacht dort die typischen Beschwerden der Gürtelrose.
Wie viele Menschen tragen das Varizella-Zoster-Virus in sich?
Bei fast allen heute Erwachsenen – also der Generation, die vor Einführung der Windpockenimpfung geboren wurde – kann man davon ausgehen. Etwa 30 Prozent der Menschen mit Windpockenvorgeschichte erkranken im Laufe ihres Lebens an Gürtelrose – bei älteren Menschen ist das Risiko deutlich erhöht.
Wie äußert sich der Hautausschlag?
Der Ausschlag beginnt meist mit geröteten, empfindlichen Hautstellen, gefolgt von kleinen, mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen. Diese treten typischerweise einseitig auf und folgen dem Verlauf eines Hautnervs – häufig am Rumpf, also etwa an der Brust oder am Rücken. Wenn das Virus in den Kerngebieten der Hirnnerven reaktiviert wird, kann die Gürtelrose auch im Gesichtsbereich auftreten – etwa am Stirn-, Wangen- oder Augenbereich. Nach einigen Tagen trocknen die Bläschen ein, es entstehen Krusten, die langsam abheilen. Der gesamte Ausschlag dauert in der Regel zwei bis vier Wochen.
Gibt es Vorboten der Gürtelrose?
Ja, oft treten einige Tage vor dem Ausschlag folgende unspezifischen Symptome auf: Brennen oder stechender Schmerz in einem begrenzten Hautbereich – meist einseitig –, Juckreiz, Kribbeln oder Überempfindlichkeit, Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, leichtes Fieber.
Warum sind eine frühe Diagnose und Behandlung wichtig?
Eine zeitnahe Behandlung – idealerweise innerhalb von 72 Stunden – kann den Krankheitsverlauf abmildern und das Risiko für Komplikationen senken. Die Therapie erfolgt meist mit virushemmenden Medikamenten, sogenannten Virostatika. Zusätzlich werden Schmerzmittel eingesetzt.
Welche Komplikationen oder Spätfolgen sind möglich?
Mögliche Komplikationen sind Sehstörungen bei Befall von Augennerv oder Hornhaut, Hörprobleme oder Schwindel bei Befall im Ohrbereich, Lähmungen wie etwa im Bereich des Gesichts sowie Hautinfektionen durch bakterielle Superinfektion. Die häufigste und zugleich gefürchtetste Spätfolge ist allerdings die Post-Zoster-Neuralgie, kurz PZN.
Dabei handelt sich um starke Nervenschmerzen, die oft noch Monate oder sogar Jahre nach dem Hautausschlag bestehen bleiben. Richtig. Die Schmerzen werden beschrieben als brennend, stechend, schneidend oder bohrend, oft mit Überempfindlichkeit der Haut – selbst das Tragen von Kleidung kann unerträglich sein. Die Intensität kann von leicht bis kaum auszuhalten sein – manche Betroffene sprechen von „unerträglichen Nervenschmerzen“. Auch die eigentlich nicht schmerzhaften Missempfindungen, etwa das Ameisenlaufen, können mit zunehmender Dauer extrem beeinträchtigend sein. Ich erinnere mich an eine 72-jährige Patientin mit Gürtelrose im Brustbereich. Nach Abklingen des Ausschlags litt die Frau weiterhin unter stechenden und brennenden Schmerzen an der betroffenen Stelle, besonders nachts und bei Berührung. Im Gespräch beschrieb sie darüber hinaus, dass sich ihre Haut angefühlt habe, als ob sie „gelebt habe“, eine Folge der mit der virusbedingten Zerstörung der Nervenzellen einhergehenden Fehlempfindungen. Der Schmerz, und hier vor allem die unvorhersehbar auftretenden elektrisierenden Schmerzattacken und die ausgeprägte Berührungsempfindlichkeit, beeinträchtigte ihren Schlaf und Alltag so stark, dass sie sich immer stärker zurückzog und letztlich jeglichen Kontakt zur Außenwelt abgebrochen hat.
Konnte denn keine Therapie der Patientin helfen?
Leider sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt und oft auch langwierig: Medikamente und Therapien können die Schmerzen meist nur teilweise lindern – eine vollständige Heilung gelingt nur selten. Trotz einer leitliniengerechten Schmerztherapie blieb die PZN bei der Patientin über mehr als zwölf Monate bestehen. Und selbst heute – fast fünf Jahre später – beschreibt sie immer wieder einschießende Schmerzattacken.
Damit eine Gürtelrose mit ihren möglichen Komplikationen und Spätfolgen erst gar nicht auftritt, wäre der beste Schutz eine wirksame Vorsorge. Gibt es die?
Ja. Eine Impfung gegen Gürtelrose kann dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung bei Risikogruppen deutlich zu senken und insbesondere vor Komplikationen wie PZN zu schützen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für alle Menschen ab 60 Jahren sowie ab 50 Jahren für Menschen mit Grunderkrankungen, zum Beispiel Diabetes, chronischer Lungenerkrankung, Rheuma, Krebs, sowie mit erhöhtem Risiko durch Immunschwäche oder -unterdrückung. Die Impfung besteht aus zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten.
Lohnt sich die Impfung auch nach einer Gürtelrose?
Ja, denn auch wer bereits eine Gürtelrose hatte, kann sie erneut bekommen. Die Impfung kann helfen, eine weitere Erkrankung oder eine PZN zu verhindern, wenn sie nach Abheilung der akuten Gürtelrose erfolgt.