Wer Schwankungen seines Sehvermögens im Tagesverlauf bemerkt, verzerrt oder verschwommen sieht oder sogenannten „Rußregen“ vor dem Auge wahrnimmt, sollte umgehend eine Augenarztpraxis aufsuchen. Warum? Dahinter kann eine durch den Diabetes hervorgerufene Augenerkrankung stecken – zum Beispiel eine diabetische Retinopathie (DR), die zu beträchtlichen Sehstörungen und sogar zur Erblindung führen kann. Wie kommt es dazu? Durch einen permanent erhöhten Blutzuckerspiegel werden die kleinsten Gefäße in der Netzhaut geschädigt. Es können Gefäßwucherungen und Blutungen im Auge entstehen, die das Sehvermögen bedrohen. Problem: Eine DR entwickelt sich lange Zeit unbemerkt, da sie im Frühstadium symptomfrei verläuft. Zu Sehstörungen kommt es erst, wenn die Netzhaut des Auges bereits deutliche und irreversible Schäden aufweist. In Deutschland hat rund jede vierte Person mit Diabetes Typ 1 eine Retinopathie – beim Diabetes Typ 2 ist etwa jeder Sechste betroffen, wobei bei jeder dritten Person bereits zum Zeitpunkt der Diagnose kleine Veränderungen an der Netzhaut vorliegen.
Diabetische Netzhautschäden werden meist spät bemerkt.
Retinopathie: Frühe Diagnose wichtig
Umso wichtiger sind regelmäßige Vorsorge-Screenings, welche die Leitlinien im Abstand von einem bis zwei Jahren vorsehen. Diese Termine werden laut Deutscher Diabetes Gesellschaft (DDG) jedoch von bis zu 30 Prozent der Menschen mit Diabetes nicht eingehalten. Damit wird eine Chance vergeben: „Weitaus mehr DR-Fälle könnten identifiziert und deren Verschlechterung verhindert werden, würde konsequenter augenärztlich untersucht oder Risikofaktoren wie Bluthochdruck effektiver behandelt“, betont Professor Dr. Hans-Peter Hammes, ehemaliger Sektionsleiter Endokrinologie/Diabetologie des Universitätsklinikums Mannheim. Auch wenn eine DR nicht heilbar ist, können verschiedene Therapien, etwa Laserbehandlungen oder Injektionen in das Auge, das Fortschreiten der Netzhautbeschädigung aufhalten. Es gibt aber noch einen guten Grund für regelmäßige Kontrollen: „Die Augen sind ein Spiegel für den allgemeinen Gefäßzustand – Präventionsmaßnahmen an diesem Organ sind insbesondere bei einem Diabetes essenziell“, so der Experte. Denn durch ein konsequenteres Augen-Screening ließen sich auch eventuelle Schäden an großen Blutgefäßen voraussehen, verhindern und somit bestenfalls sogar das Sterblichkeitsrisiko – beispielsweise durch daraus entstehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen – verringern.