Fakt ist: Schmerzen in der Region zwischen Nacken und Steißbein führen die Hitliste der Volkskrankheiten an. Jeder dritte Deutsche ist öfter oder ständig davon betroffen. Und: Gerade jetzt, wo viele Menschen erneut im Homeoffice sitzen, könnte die Zahl der Schmerzgeplagten zunehmen. Denn oft sind Schreibtisch und Stuhl zu Hause nicht ergonomisch ausgerichtet. Auch das lange Aufs-Handy-Schauen, wodurch rund 20 Kilogramm auf dem Nacken lasten, rächt sich mit schmerzenden Verspannungen der Halswirbelsäulenmuskulatur. Hinzu kommt bei vielen Menschen der fehlende Ausgleich durch ausreichend Bewegung, wie durch Rückenpräventionsprogamme. Sicherlich haben die Meisten schon davon gehört, aber auch bei einem mitgemacht? Wenn man einen Blick auf Meldungen der Krankenkassen wirft, fällt die Ausbeute an Teilnehmenden unterm Strich eher mager aus. Die Quittung folgt prompt in Form von Rückenschmerzen und für das Gesundheitssystem in Form von immens hohen Kosten: Sie belaufen sich jährlich auf über 40 Milliarden Euro. Die meisten Fehltage gehen auf das Konto von Rückenschmerzen: Laut einer Auswertung unter den Versicherten der DAK-Gesundheit entfielen im Jahr 2019 auf Rückenschmerzen und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems 21,2 Prozent der Diagnosen bei Krankschreibungen.
Chronifizierung vermeiden
Eine gute Nachricht: Meist stecken harmlose Verspannungen hinter dem Leid mit dem Kreuz, die zwar unangenehm und lästig sind, aber häufig spontan und ohne Behandlung nach einigen Tagen wieder verschwinden. Ist das nicht der Fall, halten die Schmerzen länger als drei Monate an oder treten innerhalb von sechs Monaten immer wieder auf, spricht man von chronischen Rückenschmerzen. Wichtig ist es, rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen, um die Wurzel des Übels ausfindig zu machen und eine Chronifizierung zu vermeiden. In den meisten Fällen handelt es sich um sogenannte nicht-spezifische Rückenschmerzen, bei denen sich keine eindeutige Ursache feststellen lässt.
Mögliche Auslöser des Rückenleidens
Als potenzielle Ursachen infrage kommen sowohl körperliche als auch psychische Faktoren. Dazu zählen unter anderem: zu wenig Bewegung, falsche Haltung, einseitige Tätigkeiten, Gewicht und Stress. Oft als Auslöser unterschätzt werden das Tragen von falschem Schuhwerk oder auch die Ausstattung der heimischen Schlafstätte. So können ein ungeeignetes Bett, eine durchgelegene, zu harte oder zu weiche Matratze oder auch eine falsche Schlafposition zu Rückenschmerzen führen. Wenn man bedenkt, dass der Mensch im Laufe seines Lebens im Durchschnitt rund 24 Jahre mit Schlafen verbringt, und das die meiste Zeit im eigenen Bett, lohnt es sich, in eine gute Schlafhygiene zu investieren.
Bewegung statt Schmerzmittel
Viele Betroffene greifen bei akuten Schmerzen schnell zu Schmerzmitteln, sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac. Australische Wissenschaftler haben durch die Analyse von 35 Studien mit über 6.000 Patienten herausgefunden, dass dies nicht zielführend ist. Dazu Manuela Ferreira vom George Institute for Global Health in Sidney: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die anti-entzündlichen Medikamente nur zu einer sehr begrenzten, kurzfristigen Schmerzlinderung führen.“ Dafür gingen mit der Einnahme Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden einher. Besser sei es mit regelmäßiger körperlicher Ertüchtigung und gezielten Übungen Rückenschmerzen vorzubeugen und bei Verspannungen nicht in eine Schonhaltung zu verfallen, sondern in Bewegung zu bleiben. Besonders geeignet sind übrigens rückenfreundliche Sportarten, mit denen eine gleichmäßige Beanspruchung der Rücken- und Bauchmuskulatur erreicht wird, wie zum Beispiel Walking, Tanzen, Yoga und Pilates. Genauso helfen Wärmebehandlungen, Massagen und Akupunktur gegen Verspannungen und Blockaden. Den inneren Schweinehund zu überwinden lohnt sich, denn wer regelmäßig Übungen zur Kräftigung und Dehnung der Muskulatur macht und leichten Ausdauersport betreibt, verringert das Risiko für Rückenschmerzen um 35 Prozent, das für Krankschreibungen sogar um 78 Prozent.