Wie wird Narkolepsie diagnostiziert?
Zentral ist die spezifische Erhebung der Schlaf- und Wach-Krankheitsgeschichte – als in der Regel wegweisende Grundlage für die weitere Diagnostik, wie schlafmedizinische Untersuchungen. In manchen Fällen ist auch eine Nervenwasseruntersuchung sinnvoll. Einige Blutuntersuchungen und MRT-Untersuchung des Gehirns müssen andere Ursachen ausschließen. Leider dauert es in vielen Fällen Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird.
Woran liegt das?
Es ist eine seltene Erkrankung und zudem kann das Symptom „Tagesschläfrigkeit“ viele Ursachen haben. Leider wird es auch immer noch nicht ernst genommen. Es muss sich insofern etwas ändern, dass bei Verdacht auf Narkolepsie unverzüglich, ähnlich einem „Notfall“, eine Abklärung erzwungen wird. Je früher wir die Diagnose haben, umso mehr Behandlungsoptionen haben wir und umso weniger negative Folgestörungen treten auf. Bei Verdacht auf Narkolepsie sollte somit rasch ein spezialisiertes Zentrum aufgesucht werden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Maßnahmen, die Erkrankte selber beachten und durchführen sollten – wie etwa feste Schlafpausen im Alltag –, sowie die medikamentöse Behandlung. Erfreulicherweise steht eine zunehmende große Anzahl an gut verträglichen und sehr wirksamen Medikamenten zur Verfügung, die eine individuelle, auf die einzelnen Bedürfnisse zugeschnittene Behandlung immer besser möglich machen. Weitere spezifische Medikamente befinden sich in der Entwicklung.
Weiß man heute mehr über die Ursachen der nicht heilbaren Krankheit?
In der Tat. In den letzten fünf bis zehn Jahren ist in der Narkolepsie-Forschung viel passiert. Wir verstehen die Mechanismen, die zur Entstehung der Erkrankung beitragen, immer besser. So konnten wir im letzten Jahr zeigen, dass Narkolepsie eine immun-vermittelte Erkrankung des Nervensystems ist. Bestimmte körpereigene Abwehrzellen richten sich fälschlicherweise gegen bestimmte Zellen des Gehirns, die sogenannten Hypocretin-produzierenden Zellen. Narkolepsie ist also eine Autoimmunerkrankung. Bei der Entstehung spielen genetische Veranlagung und weitere Faktoren, vermutlich bestimmte Infektionen, gemeinsam eine wichtige Rolle. Wir versuchen auch in Zukunft die Krankheit noch besser zu verstehen, um danach entsprechend auch die Behandlung ausrichten zu können. Neben der neuroimmunologischen ist auch die Erforschung der Hypocretin-produzierenden Zelle und die Interaktionen zwischen Hypocretin und anderen für Wachheit wichtigen Botenstoffe, etwa Histamin, spannend.