Mittelalte Frau im Bett liegend, mit Arm bedeckte Augen.

Schlafstörungen

Warum erholsame Nächte so wichtig sind

Viele Menschen können nicht einschlafen, wachen nachts auf, sind tagsüber müde und erschöpft. Bei anhaltenden Schlafstörungen ist sogar ihre Gesundheit in Gefahr. Was sind typische Schlafräuber? Und wie lassen sich Schlafprobleme lösen?

Nadine Effert
Von Nadine Effert und Redaktion Wissensportal
· 2026
Erschienen in

Volkskrankheiten

am 5. Mai 2026 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Volkskrankheiten zählen zu den größten gesundheitlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Allein Erkrankungen wie Herz-Kreislauf- Leiden, Krebs und Depressionen betreffen in Deutschland Millionen von Menschen – oft mit weitreichenden Folgen für...

Wir Menschen verschlafen rund ein Drittel unseres Lebens. Gut so, denn ein ausreichender, guter Schlaf ist wichtig, um im Alltag leistungsfähig und gesund zu sein. Das heißt: Sieben bis acht Stunden pro Nacht sollte geschlummert werden, der Schlaf vor allem ungestört sein, und die Einschlafphase sollte unter 30 Minuten liegen. Doch immer mehr Menschen kämpfen aufgrund von etwa beruflichem oder privatem Stress, Ängsten, Lebensgewohnheiten oder gesundheitlichen Beschwerden mit dem Ein- und Durchschlafen. „Eine weitere natürliche Ursache ist die alternde Gesellschaft“, sagt Prof. Dr. med. Ingo Fietze, Oberarzt für Innere Medizin und Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité. „Chronische Erkrankungen werden im Alter nicht besser, und je älter die Gesellschaft ist, desto verbreiteter sind Schlafstörungen.“

Auswirkungen auf Gesundheit

Laut einer Stastista-Erhebung aus 2025 leiden 42 Prozent der Deutschen unter Schlafproblemen. Liegen Symptome über mindestens drei Monate vor und treten mehrmals pro Woche auf, spricht man von chronischen Schlafstörungen (Insomnie). Etwa zehn Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen. „Der Stand der Wissenschaft ist aktuell, dass wer länger als ein Jahr zu kurz oder schlecht schläft, gesundheitliche Folgen fürchten muss“, so der Schlafmediziner. Laut Studien ist bei Betroffenen das Risiko etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und psychische Erkrankungen erhöht. Auch wird das Immunsystem geschwächt und das Schmerzempfinden erhöht. Anhaltende Schlafstörungen sollten daher frühzeitig ärztlich abgeklärt werden.

Schlafstörung: Was tun?

Eine zentrale Maßnahme bei Schlafstörungen ist die Verbesserung der Schlafhygiene: Dies gelingt zum Beispiel durch die Etablierung eines festen Schlaf-Wach-Rhythmus oder das Vermeiden von störenden Einflüssen wie Lärm oder Licht. Am nachhaltigsten hilft bei chronischen Schlafstörungen die Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I), die oft wirksamer ist als Medikamente. Ohnehin sollten Schlafmittel, auch rezeptfreie, aufgrund der möglichen Nebenwirkungen und Gefahr einer Abhängigkeit nicht über einen längeren Zeitraum und ohne ärztliche Begleitung eingenommen werden. Liegt eine körperliche Ursache vor, kann eine Behandlung der Erkrankung in der Regel auch die Schlafstörungen lindern. θ

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Warum Schlaf nicht erzwungen werden kann

Wer schlecht schläft, gerät schnell in einen Teufelskreis: Nach einigen unruhigen Nächten wächst die Sorge vor dem nächsten Abend. Man liegt im Bett, beobachtet sich selbst, schaut auf die Uhr und setzt sich unter Druck. Genau diese Anspannung kann das Einschlafen weiter erschweren.

Ein wichtiger Begriff ist dabei die erlernte Schlafstörung: Das Bett wird nicht mehr mit Ruhe verbunden, sondern mit Wachliegen, Grübeln und Frust. Deshalb empfehlen verhaltenstherapeutische Ansätze, das Bett wieder klar mit Schlaf zu verknüpfen. Wer länger wach liegt, sollte kurz aufstehen, etwas Ruhiges bei gedämpftem Licht tun und erst zurückkehren, wenn echte Schläfrigkeit einsetzt.

Neu ist auch der Blick auf den Schlafdruck: Müdigkeit baut sich im Laufe des Tages auf. Zu lange Nickerchen, sehr frühes Zubettgehen oder unregelmäßige Schlafzeiten können diesen natürlichen Druck verringern. Eine feste Aufstehzeit, Tageslicht am Morgen und eine ruhige Abendroutine helfen, den Rhythmus zu stabilisieren.2

 

Fast die Hälfte der Deutschen leiden unter Schlafproblemen.

Die 10 häufigsten Schlafkiller

  1. Grübeln und ungelöster Stress

  2. Unregelmäßige Schlafenszeiten

  3. Smartphone, Laptop oder TV kurz vor dem Einschlafen

  4. Koffein am Nachmittag oder Abend

  5. Alkohol als vermeintliche Einschlafhilfe

  6. Schweres Essen spät am Abend

  7. Bewegungsmangel oder Sport zu spät am Abend

  8. Lärm, Licht oder zu hohe Raumtemperatur

  9. Schmerzen, Atemprobleme oder hormonelle Veränderungen

  10. Angst vor der nächsten schlechten Nacht

Wussten Sie schon?

Schlechter Schlaf macht nicht nur müde, sondern kann auch das Schmerzempfinden verstärken. Wer dauerhaft zu wenig oder unruhig schläft, reagiert empfindlicher auf Schmerzen — ein Grund, warum Schlafstörungen und chronische Beschwerden sich gegenseitig verstärken können.

7 Tipps für einen besseren Schlaf


1.     Gehen Sie immer zur gleichen Zeit ins Bett

2.     Essen Sie abends leichte Kost

3.     Üben Sie entspannungsfördernde Schlafrituale vor dem Zubettgehen aus (z. B. Atemübungen, warme Fußbäder)

4.     Treiben Sie regelmäßig Sport

5.     Vermeiden Sie koffeinhaltige Getränke, Alkohol und Nikotin – vor allem abends

6.     Schirmen Sie störende Licht-, Geräusch- und Geruchsquellen ab

7.     Kein Konsum von digitalen Medien mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen

ZAHL ZUM STAUNEN

59 %

Um so viel ist das  Risiko für Insomnie durch eine Stunde Bildschirmzeit vor dem Schlafen erhöht. 1

Wichtige Begriffe

Rund um Schlafstörungen

  • Insomnie: Anhaltende Ein- oder Durchschlafstörung mit Tagesbeeinträchtigung, etwa Müdigkeit, Konzentrationsproblemen, Reizbarkeit oder Leistungsabfall.
  • KVT-I / CBT-I: Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie. Sie gilt als wichtigste nichtmedikamentöse Behandlung chronischer Schlafstörungen. Sie verändert ungünstige Schlafgewohnheiten, Grübelmuster und die Verbindung zwischen Bett und Wachsein.
  • Zirkadianer Rhythmus: Die innere Uhr des Körpers. Sie steuert, wann wir wach, müde, leistungsfähig oder schläfrig sind. Licht am Morgen stabilisiert diesen Rhythmus; helles Licht am Abend kann ihn verschieben.
  • Schlafapnoe: Atemaussetzer im Schlaf, häufig verbunden mit lautem Schnarchen, Tagesmüdigkeit und erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme. Sie sollte ärztlich abgeklärt werden.
  • Restless-Legs-Syndrom: Unangenehmer Bewegungsdrang in den Beinen, besonders abends oder nachts. Kann das Einschlafen stark erschweren.

Fazit: Schlafstörungen sind kein Lifestyle-Problem

... sondern können die Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität deutlich belasten. Der wichtigste Hebel ist nicht das schnelle Schlafmittel, sondern das Erkennen der Ursachen: Stress, ungünstige Routinen, körperliche Erkrankungen oder psychische Belastungen. Für chronische Insomnie gilt KVT-I heute als zentrale Therapieoption. Schlafhygiene bleibt wichtig, wirkt aber am besten als Teil eines strukturierten Vorgehens.

Quellen:

„How and when screens are used:  comparing different screen activities and sleep in Norwegian university students”.  Frontiers in Psychiatry, 31 March 2025.
2 Sleepfoundation
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e. V.
Deutsche Stiftung Schlaf
WDR-Podcast „Somnoversum – Besser schlafen mit Liefers und Fietze“