Dr. House, der eigenwillige TV-Spezialist für Diagnostik, hätte an ihr seine wahre Freude: die Schulter. Denn wenn das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers schmerzt, gleicht die Suche nach der Ursache einem Puzzle, das aus sehr vielen Teilen besteht. Sichergestellt wird die Funktion der Schulter durch einen Muskel-, Bänder- und Sehnenapparat, der zugleich für Halt und eine besonders große Beweglichkeit sorgt. Für die Führung und Stabilisierung ist in erster Linie die aus vier Muskeln bestehende Rotatorenmanschette verantwortlich.
Die komplexe Anatomie der Schulter bedingt, dass wir fast alle im Laufe unseres Lebens schmerzhafte Bekanntschaft mit der Verbindungsstelle zwischen Armen und Rumpf machen. Auf einmal wird das Kämmen des Haares, das Zuwerfen eines Balles oder selbst das Schlafen im Liegen zur Qual. Unterm Strich: eine erhebliche Einbuße an Lebensqualität. Etwa jeder zehnte Deutsche kann ein Lied davon singen.
Spezielle Bewegungstests und bildgebende Verfahren wie ein MRT können Indizien liefern, was hinter den Beschwerden steckt. Ist es eine Entzündung des Schleimbeutels? Sind es Verschleißerscheinungen in den Sehnen? Sind Kalkablagerungen schuld?
Schulterprobleme: Viele Krankheitsbilder
Verbreitet sind neben Arthrose und Arthritis sowie der Schultersteife vor allem Schleimbeutelentzündungen, Risse in der Rotatorenmanschette und das sogenannte Impingement-Syndrom, von dem rund zehn Prozent der Deutschen betroffen sind. Dabei handelt es sich um einen Engpass zwischen Schulterdach und Oberarm, der zu Entzündungen des Schleimbeutels, Einklemmungen von Kapsel- oder Sehnenmaterial oder gar Rissen in den Sehne der Rotatorenmanschette führen kann.
Placebo-Effekt mit Wirkung
Die gute Nachricht: Eine Operation ist in vielen Fällen nicht nötig. Das bestätigt auch eine im November 2017 im „The Lancet“ veröffentlichte Studie. Britische Wissenschaftler von der University of Oxford verglichen Patienten mit einem Impingement-Syndrom, die teils tatsächlich und teils nur scheinbar operiert wurden. „Die Ergebnisse unserer Studie deuten an, dass Operationen keinen klinisch bedeutenden Vorteil gegenüber dem Verzicht auf eine Behandlung bieten, und dass die Schulterblatt-Erweiterung nicht besser ist als ein Placebo-Eingriff“, erklärt Studienautor Andrew Carr. Er und sein Kollege David Beard plädieren dafür, eher auf Physiotherapie und Schmerzmittel zu setzen. Sollten konservative Maßnahmen jedoch nicht greifen, spricht natürlich grundsätzlich nichts gegen eine Schulter-OP.