Schiefe Haltung gleich krummer Rücken? So einfach geht die Rechnung nicht auf, denn Fakt ist: Eine Skoliose hat nichts mit einer „schlechten Haltung“ des Kindes zu tun. Weder Kind noch Eltern können also etwas für die Entwicklung eines verbogenen Rückgrates oder können ihr vorbeugen. In fast 80 bis 90 Prozent der einzelnen Fälle ist die Ursache bei Jugendlichen unbekannt. Man spricht in der Medizin daher auch von einer idiopathischen Skoliose. Seltener sind zum Beispiel angeborene (kongenitale) Fehlbildungen, Muskel- oder Nervenerkrankungen oder Unfälle die Ursache.
Skoliose bei Kindern: Mädchen häufiger betroffen
Man nimmt an, dass etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung an der angeborenen oder im Laufe des Lebens erworbenen Krümmung der WS mit Krankheitswert leidet. Die Neigung zu Skoliose wird offenbar vererbt, denn die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf. Schätzungsweise zwei Prozent aller Jugendlichen zwischen zehn und 16 Jahren sind von einer Skoliose betroffen – Mädchen viermal häufiger als Jungs. Die gute Nachricht: Das Gros, etwa 75 Prozent, hat eine nur leichte Verkrümmung der WS. Man spricht hier vom sogenannten Cobb-Winkel zwischen zehn und 20 Grad. Er wird durch ein Röntgenbild ermittelt. Je höher der Winkel desto stärker ausgeprägt ist die Skoliose. Mädchen haben häufiger eine ausgeprägte Form.
Nur äußerlich erkennbar
Bestimmte Beschwerden, welche auf die Erkrankung hinweisen könnten, gibt es nicht. Abgesehen von etwaigen Rückenschmerzen, die aber auch eine andere Ursache haben können. Daher erfolgt die Diagnose meistens erst, wenn die sichtbaren Veränderungen deutlich werden: Rücken, Schulter, Brust und Hüfte können unsymmetrisch sein oder schief stehen. In der Regel wird eine Skoliose zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr festgestellt. Ob eine WS sich weiter verkrümmt, lässt sich nicht vorhersagen. Bis das Knochenwachstum abgeschlossen ist, kann es im Verlauf zu stärkeren Deformierungen kommen, die eine stärkere Abnutzung von Wirbeln und Bandscheiben wahrscheinlich macht. Die Quittung folgt im Erwachsenenalter in Form von Rückenschmerzen. Bei schweren Formen können die Rippen auf Herz und Lunge drücken.
Verschiedene Behandlungsoptionen
Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollte die Skoliose beim Kind adäquat behandelt werden: Neben spezieller Physiotherapie kann auch eine Korsett-Behandlung oder eine OP infrage kommen. Welche Therapie sich eignet, hängt außer vom Grad der Krümmung und der Skelettreife auch von den eigenen Wünschen und Vorstellungen ab. Die Behandlung ist anspruchsvoll, daher ist es ratsam, diese von auf diesem Gebiet sehr erfahrenen Ärzten durchführen zu lassen. Fest steht: Eine Skoliose bringt einige Herausforderungen mit sich – für Kind und Eltern. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es sich um eine gut behandelbare Erkrankung handelt und die Therapie ein absehbares Ende hat. Der Austausch mit gleichaltrigen Betroffenen, zum Beispiel über eine Skoliose-Selbsthilfegruppe vor Ort, kann beim Leben mit Skoliose sehr hilfreich sein.