Ehrenamtliche Helfer bei einer Tafel

Soziales Engagement

Mutig sein und sich starkmachen

Über den Tellerrand hinausschauen und soziale Hilfe anbieten sind Garanten für eine funktionierende Gesellschaft. Trotz des Bewusstseins, auch weltweit Hilfsbedürftige zu unterstützen, setzen viele Menschen auf Verdrängung. Doch welche Gründe stecken dahinter, und welche Vorteile hat soziales Engagement?

Tobias Lemser
· 2025
Erschienen in

Tabu

am 18. Juli 2025 in „Focus“
Vielleicht kennen Sie das Gesellschaftsspiel Tabu, bei dem die spielenden Personen versuchen, Begriffe zu beschreiben, ohne bestimmte Wörter zu verwenden? In der Gesellschaft geht es bei Tabus weniger um einzelne Begriffe, sondern um Verhaltensweisen oder Angelegenheiten, über die man...

Ob zuletzt der Krieg zwischen Israel und dem Iran, die Hungersnot in Gaza, der derzeit laut Vereinten Nationen „hungrigste Ort der Welt“, oder der seit den 1990erJahren schwelende Konflikt im Jemen: Es gibt so viele Regionen auf der Erde, in denen Krieg und Armut herrschen. Gerade letzteres Beispiel gerät immer wieder aus dem Blickfeld der Weltöffentlichkeit – trotz des dringenden Bedarfs und der akuten Notlage. 21,6 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Oft fehlt der Zugang zu grundlegenden Dingen, die es für ein menschenwürdiges Leben braucht: Sei es ausreichende Ernährung, sauberes Trinkwasser, Bildungsmöglichkeiten oder gesundheitliche Versorgung.

Unbequemes ausblenden

Die Krux: Zwar erkennen viele Menschen die Not in der Welt, jedoch verdrängen sie einen Großteil ihrer Mitverantwortung für globale Probleme. Da viele weltweite Themen unbequem und nur sehr schwer zu verarbeiten sind, ist es leichter, sie zu verdrängen und zu tabuisieren. Wegschauen ist oft einfacher. In manchen Kontexten wird Hilfe auch als übergriffig empfunden – auch das macht soziale Verantwortung heikel. Aber warum ist Verdrängung oft das Mittel der Wahl? Fest steht: Beiseiteschieben zählt zu den häufigsten Phänomenen, um mit unangenehmen Gefühlen, Leid und Schmerz, Stress und emotionalem Ballast zurechtzukommen. Verdrängung ist ein eindrucksvoller psychologischer Vorgang, eine Art Abwehrmechanismus, der aus Gründen des Selbstschutzes angewendet wird. Dies geschieht in aller Regel nicht bewusst und auch nicht planvoll.

Schon gewusst?

16,4 Mio. Ehrenamtliche
gab es im Jahr 2024 in Deutschland.

Drei Frauen pflanzen Bäume

Soziales Engagement: Unternehmen in der Pflicht

Doch warum nicht einfach gegen das Verdrängen angehen und soziale Verantwortung übernehmen, also die Pflicht annehmen, im besten Interesse der Gemeinschaften und der Umwelt zu handeln? Dazu gehört etwa für Unternehmen, Maßnahmen zu ergreifen, welche die Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung vorantreiben, indem sie bestimmte Richtlinien festlegen, welche die negativen Auswirkungen minimieren und die positiven maximieren.1 Firmen könnten etwa Umweltverantwortung übernehmen, indem sie Schritte einleiten, die die Fehler der Vergangenheit korrigieren und die Korrektur in der Zukunft implementieren. Sogenannte philanthropische Verantwortung zu übernehmen heißt dagegen, die Menschheit zu schützen, indem nach dem besseren Wohlergehen der weniger privilegierten Menschen gestrebt wird – etwa in Form von Stiftungen, die direkt mit relevanten Geschäftspraktiken zu tun haben.

Ein ehrenamtlicher Helfer erklärt einer anderen Person etwas

Über Notlagen aufklären

Und was können jede und jeder Einzelne tun? Fest steht: Je mehr Menschen auf Krisengebiete aufmerksam werden, dieses Wissen teilen und spenden, desto weniger werden betroffene Länder vergessen. Soziale Verantwortung kann jedoch auch ehrenamtliches Engagement bedeuten. Wer sich freiwillig in Vereinen, Organisationen oder Initiativen engagiert, stärkt das Gemeinschaftsgefühl und trägt zur Lösung sozialer Probleme bei.2 Außerdem wird das Selbstwertgefühl gefördert, genauso wie die persönliche Entwicklung. Und nicht nur das: Ehrenamtliches Engagement begünstigt soziale Kompetenzen und Lebensfreude – ganz abgesehen vom Kontakt mit Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen, der zu neuen Sichtweisen und einer erweiterten Perspektive auf das eigene Leben führt.