Ob zuletzt der Krieg zwischen Israel und dem Iran, die Hungersnot in Gaza, der derzeit laut Vereinten Nationen „hungrigste Ort der Welt“, oder der seit den 1990erJahren schwelende Konflikt im Jemen: Es gibt so viele Regionen auf der Erde, in denen Krieg und Armut herrschen. Gerade letzteres Beispiel gerät immer wieder aus dem Blickfeld der Weltöffentlichkeit – trotz des dringenden Bedarfs und der akuten Notlage. 21,6 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Oft fehlt der Zugang zu grundlegenden Dingen, die es für ein menschenwürdiges Leben braucht: Sei es ausreichende Ernährung, sauberes Trinkwasser, Bildungsmöglichkeiten oder gesundheitliche Versorgung.
Unbequemes ausblenden
Die Krux: Zwar erkennen viele Menschen die Not in der Welt, jedoch verdrängen sie einen Großteil ihrer Mitverantwortung für globale Probleme. Da viele weltweite Themen unbequem und nur sehr schwer zu verarbeiten sind, ist es leichter, sie zu verdrängen und zu tabuisieren. Wegschauen ist oft einfacher. In manchen Kontexten wird Hilfe auch als übergriffig empfunden – auch das macht soziale Verantwortung heikel. Aber warum ist Verdrängung oft das Mittel der Wahl? Fest steht: Beiseiteschieben zählt zu den häufigsten Phänomenen, um mit unangenehmen Gefühlen, Leid und Schmerz, Stress und emotionalem Ballast zurechtzukommen. Verdrängung ist ein eindrucksvoller psychologischer Vorgang, eine Art Abwehrmechanismus, der aus Gründen des Selbstschutzes angewendet wird. Dies geschieht in aller Regel nicht bewusst und auch nicht planvoll.