Wer erinnert sich nicht an die mahnenden Worte der Eltern im Jugendalter, bloß die Hände von Drogen wie Rauschgift zu lassen. Zu groß die Gefahr, in Abhängigkeit und später in einen tiefen Sumpf zu geraten, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. Doch mal ehrlich, wer hätte damals gedacht, welche Suchtrisiken neben den „Dauerbrennern“ Alkohol, Zigaretten und Medikamente noch auf uns treffen würden: Glücks- und Computerspiele, Smartphone, Instagram. Die Liste der sogenannten nicht-stoffgebundenen Abhängigkeiten, ohne die es für viele nicht mehr geht, wird länger und länger. Was deutlich wird: Sucht ist längst keine Randerscheinung mehr, sondern betrifft Millionen. Viele Betroffene haben mit erheblichen gesundheitlichen und sozialen Problemen zu kämpfen und erleben teils dramatische persönliche Schicksale. Das Tückische an Suchtmitteln: Kurzfristig erzielen sie eine positive Wirkung und verbessern eine oft als unzufriedenstellend wahrgenommene Situation – scheinbar. Denn die anschließende „Ernüchterung" lässt nicht lange auf sich warten. Ein Teufelskreis entsteht.
Von wegen eine Charakterfrage
Doch was passiert bei einer Sucht überhaupt im Körper? Fest steht: Eine Suchterkrankung ist auf ein fehlgesteuertes Belohnungssystem im Gehirn zurückzuführen. Da Suchtstoffe verschiedene Botenstoffe wie Dopamin aktivieren, die zum Beispiel Wohlbefinden oder Euphorie erzeugen, nimmt das Gehirn diese relativ schnell als positiven Reiz wahr. Ist dieser jedoch verpufft, fehlt unserer Schaltzentrale auch die Belohnung, was einen unkontrollierten Wunsch nach dem Suchtstoff nach sich zieht. Dies macht klar, dass es sich bei einer Sucht nicht – wie häufig angenommen – um eine Charakterschwäche, sondern um eine Erkrankung handelt.
Mögliche Faktoren für Suchtverhalten
Stellt sich die Frage, ob bestimmte Menschen anfälliger sind als andere. Damit eine Sucht entsteht, braucht es verschiedene biologische, genetische, soziale und psychische Faktoren. Dies können Einsamkeit, belastende Lebenssituationen oder Stress sein. Aber auch Menschen, die sich von einer Person trennen mussten und eine völlige Sinnentleerung verspüren, haben ein höheres Risiko suchtkrank zu werden. Um diese Gefahren so gering wie möglich zu halten, können karitative Beratungsstellen erste wichtige Anlaufstellen sein. Liegt bereits eine Suchterkrankung vor, braucht es jedoch eine an die Art des Suchtmittels, das Stadium und die Schwere der Krankheit angepasste Therapie, die unbedingt in spezialisierten Einrichtungen erfolgen sollte.