Mutter sitzt mit ihrem Kind vor einem Tablet für die digitale Sprechstunde beim Arzt
Die digitale Sprechstunde erspart den Gang in eine Arztpraxis und oft lange Wartezeiten vor Ort. iStock / jacoblund

Teledermatologie

Per App zur Diagnose

Wegen eines Hautproblems digital mit der Hautärztin oder dem Hautarzt in Kontakt treten? Eine Option, die immer mehr Menschen nutzen. Ein schneller Befund und wenig Wartezeit sind die klarsten Vorteile. Doch es gibt noch mehr – erst recht für Landbewohnende, die kaum Zugang zur Dermatologie haben.

Tobias Lemser
· 2025

Zumeist beginnt die Erkrankung bei Kindern mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Schnupfen und Magen-Darm-Beschwerden. Schnell scheint damit für Eltern die Diagnose klar: fiebriger Infekt. Eine ganz neue Dynamik bekommt der Erkrankungsverlauf jedoch dann, wenn am Tag darauf Bläschen um den Mund herum auftreten und später auch noch schmerzhafter, teils juckender Ausschlag an den Handflächen und Fußsohlen hinzukommt. Meistens schrillen bei erfahrenen Eltern angesichts so mancher bereits durchlebter Krankheitswelle im Kindergarten da gleich die Alarmglocken: vermutlich die Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Ob es sich tatsächlich um diese hochansteckende Infektionserkrankung handelt, sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden. Nur was tun, um möglichst schnell zu einer gesicherten Diagnose zu kommen – erst recht, wenn die Hautarztpraxis keine Sprechstunde mehr hat? Das ist die Gelegenheit, auf die Expertise einer teledermatologischen Praxis zurückzugreifen – einem Teilbereich der Telemedizin, der sich der Versorgung von Hauterkrankungen annimmt.

Erschienen in

Hautnah

am 27. Mai 2025 in „freundin“
Sie hüllt den Körper ein wie ein schützender Mantel und gibt gleichzeitig viel von der dazugehörigen Person preis: Die Haut verrät das Alter, den Lebensstil und die Stimmung – Gänsehaut und errötete Wangen lassen grüßen! Eigentlich kennen wir fast...

Teledermatologie: Diagnose aus der Ferne

Einfach mit dem Smartphone einige Fotos von der betroffenen Hautstelle aufnehmen, dazu einen Fragebogen ausfüllen und an eine teledermatologische Praxis senden. Pluspunkt der meisten dieser Praxen: Sie schicken in der Regel binnen weniger Stunden eine gesicherte Diagnose zurück – ohne dass ein Hautarzttermin in der Praxis vor Ort notwendig wird, was gerade bei erhöhter Ansteckungsgefahr ein großer Vorteil ist. Insbesondere bei eindeutigen Diagnosen wie der Hand-Fuß-Mund-Krankheit zeigen sich die Vorteile solcher Apps. Denn klar ist: Je schneller Klarheit herrscht, desto eher können Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.

Die potenziellen Anwendungsfelder sind immens.

Grundsätzlich sind die Anwendungsfelder der Teledermatologie immens. Stichwort Schuppenflechte: Nach erfolgter Primärdiagnostik in Präsenz kann mehreren Studien zufolge eine therapiebegleitende telemedizinische Versorgung bei Psoriasis empfohlen werden. Ähnlich bei anderen chronisch-entzündlichen Dermatosen oder der Versorgung von chronischen und akuten Wunden. Anders die Lage bei Hautkrebs: Hier zeigen die Ergebnisse einer Metaanalyse, dass in manchen Fällen die Präsenzdiagnostik der telemedizinischen Diagnostik überlegen ist1, weshalb die Entscheidung für eine rein teledermatologische Diagnostik immer individuell erfolgen sollte.

Eine Frau ist über Tablet in einem Gespräch mit einem Arzt.

Ländliche Gegenden profitieren

Dass die Teledermatologie in der Behandlung von Hautkrankheiten wegweisend sein könnte, wird durch den inzwischen chronischen Mangel an niedergelassenen dermatologischen Fachleuten untermauert. Immer mehr Patientinnen und Patienten greifen deshalb vermehrt zur App. Gerade im ländlichen Raum sind die Angebote der Teledermatologie inzwischen Gold wert. Denn hier einen Spezialistentermin zu bekommen, ist schwierig. Viele Vorsorgeuntersuchungen können deshalb nicht durchgeführt werden, und mögliche Hautkrebserkrankungen bleiben unentdeckt.

Warum es vor allem auf dem Land kaum Dermatologen gibt, liegt auch an der unattraktiven Facharztausbildung. Wie eine jüngst erhobene Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung unter rund 8.600 Medizinstudierenden zur Wahl ihres Weiterbildungsfachs ergab, kam die Dermatologie nur auf den vorletzten Rang.2 Die Gründe liegen dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen nach an den begrenzten Unterrichtsstunden und der geringen Attraktivität, wie das Fach im Studium dargestellt wird.

Kurz erklärt

Teledermatologie

Teledermatologie ist ein Teilbereich der Telemedizin, bei dem Hautärzte mithilfe von digitalen Fotos, Videos oder Fragebögen Hautkrankheiten aus der Ferne beurteilen.

  • Vorteile: Schnelle Diagnose, Zeitersparnis, besserer Zugang für Menschen in ländlichen Regionen.3
  • Einschränkungen: Bei Hautkrebs und komplexen Befunden ist eine Untersuchung in Präsenz unverzichtbar.

Immer mehr Ärztinnen und Ärzte nutzen Apps und Online-Plattformen, um Patientendaten sicher zu erfassen und Diagnosen schneller zu stellen. Gerade in der Dermatologie zeigt die Telemedizin, wie einfach ein Befund auch aus der Ferne möglich ist – per Smartphone oder Tablet.

Checkliste

Wann Teledermatologie sinnvoll ist

  • Akute, aber eindeutige Hautveränderungen (z. B. Hand-Fuß-Mund-Krankheit, Schuppenflechte-Schub)
  • Kein schneller Hautarzttermin vor Ort verfügbar

  • Ländlicher Wohnort mit eingeschränkter Versorgung

  • Kurze Wartezeit gewünscht – Befund meist in wenigen Stunden

  • Ansteckungsgefahr (z. B. Infektionskrankheiten, Kinderkrankheiten)

Fazit

Teledermatologie entwickelt sich zu einem wichtigen Baustein in der dermatologischen Versorgung. Sie ermöglicht schnelle Diagnosen, entlastet überfüllte Praxen und bietet insbesondere Menschen in ländlichen Regionen einen leichteren Zugang zu hautärztlicher Expertise. Bei klar erkennbaren Krankheitsbildern wie Hand-Fuß-Mund-Krankheit oder Psoriasis-Schüben zeigen sich die Vorteile deutlich: rasche Gewissheit, kurze Wege, weniger Ansteckungsrisiko.

Doch Telemedizin hat auch Grenzen: Bei Verdacht auf Hautkrebs oder komplexen Befunden bleibt die persönliche Untersuchung vor Ort unverzichtbar. Entscheidend ist daher eine sinnvolle Kombination von digitaler und klassischer Versorgung. Angesichts des wachsenden Fachärztemangels und steigender Patientenzahlen dürfte die Teledermatologie künftig eine noch größere Rolle spielen – als Ergänzung, nicht als Ersatz der Präsenzmedizin.