Zwei Personen halten sich an den Händen, um sich Trost zu spenden.
Trauer teilen heißt Last verringern.

Trauerbegleitung

Mehr als leere Worte

Trauer ist universell und kann mitunter über eine längere Zeit anhalten. Zu verstehen, was passiert ist und wie das Leben nun ohne die geliebte Person weitergehen soll, gehört zu den größten Herausforderungen. Eine qualifizierte Person, die bei der Trauerbewältigung hilft, kann eine wichtige Stütze sein.

Tobias Lemser
· 2025
Erschienen in

Tabu

am 18. Juli 2025 in „Focus“
Vielleicht kennen Sie das Gesellschaftsspiel Tabu, bei dem die spielenden Personen versuchen, Begriffe zu beschreiben, ohne bestimmte Wörter zu verwenden? In der Gesellschaft geht es bei Tabus weniger um einzelne Begriffe, sondern um Verhaltensweisen oder Angelegenheiten, über die man...

Verstirbt ein geliebter Mensch, ist nichts mehr, wie es vorher war – egal, ob nach einer langwierigen schweren Krankheit, durch die man sich schrittweise auf den Tod vorbereiten konnte, oder ausgelöst durch einen Unfall, der keine Gelegenheit mehr gab, sich voneinander zu verabschieden. Jeder Mensch durchlebt diese Zeit intensiver Gefühle und Veränderungen anders und hat seine eigene Art, mit diesem belastenden Lebensereignis umzugehen. Diese Erfahrung wird als normale Trauer bezeichnet und ist eine natürliche und zugleich gesunde Reaktion auf einen bedeutsamen Verlust. Sie umfasst eine breite Palette von Emotionen und Verhaltensweisen, die dabei helfen, den Verlust zu verarbeiten und sich allmählich an ein Leben ohne die verstorbene Person anzupassen.

Kerzen

Trauer verläuft wellenförmig

Trotz dieses höchst individuellen Prozesses, der von Person zu Person variieren kann, gibt es einige charakteristische Merkmale, die viele Trauernde eint. Hierzu zählen tiefe Traurigkeit, Sehnsucht nach der verstorbenen Person, Schlafstörungen, Appetitveränderungen und vorübergehender Rückzug von sozialen Aktivitäten. Aber auch Veränderungen in täglichen Routinen können typisch sein. Andere vergraben sich in Ablenkung – Reaktionen, die völlig normal und Teil des Heilungsprozesses sind. Wichtig zu verstehen: Trauer verläuft wellenförmig und nicht in festgelegten Stadien. Gute Tage werden von schlechten abgelöst, gekennzeichnet von intensiven emotionalen Reaktionen wie Trennungsschmerz und Traurigkeit oder Phasen von Ungläubigkeit oder Verleugnung des Verlusts.

Eine Hand zum Trost einer Schulter

Hausärztlicher Kontakt

Die meisten betroffenen Menschen bewältigen die Trauerreaktion in der Regel ohne professionelle Hilfe. Was oft vernachlässigt wird: Der Tod einer lieben Person kann ebenso mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität verbunden sein. Zudem können psychische Erkrankungen wie Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörungen bei hinterbliebenen Personen auftreten. Um dem entgegenzuwirken, sollten Betroffene, wenn sie nach Wochen und Monaten das Gefühl haben, nicht wieder in den Alltag zu finden, oder nicht zur Arbeit gehen können, darüber nachdenken, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Erstkontakte könnten die Hausärztin oder der Hausarzt sein. In beinahe jedem Ort gibt es zunächst niedrigschwellige Angebote wie Trauercafés oder Trauergruppen.

Professionelle Hilfe: Trauerbegleitung

Doch auch Angehörige und Freunde können bei der Trauerbegleitung helfen. Zuzuhören und einfach nur da zu sein und Unterstützung anzubieten, kann Trauernden immens helfen. Wichtig ist, den Tod nicht zu tabuisieren, sondern darüber zu sprechen. Fachleute raten, Trauernde besonders in dem Bereich zu begleiten, der einem selber liegt – sei es hauswirtschaftliche Unterstützung oder einfach nur Spaziergänge. Da Sprache ein wichtiger Bestandteil ist, braucht es dahingehend in bestimmten Fällen qualifizierte Unterstützung. Bestattungsinstitute bieten diese Dienstleistung an. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Anlaufstellen für Trauerhilfe. Beim Bundesverband Trauerbegleitung gibt es diesbezüglich online die Möglichkeit, eine Trauerbegleitung aus der Umgebung ausfindig zu machen. Fest steht: Jeder trauernde Mensch braucht Zeit, um das Geschehene zu begreifen. Trauer bleibt individuell – ihr Umgang ist gesellschaftlich. Eine feinfühlige Trauersprache kann heilen und verbinden. Sie erinnert uns daran, dass wir in der Trauer nicht allein sind.

 

Wichtig ist, den Tod nicht zu tabuisieren, sondern darüber zu sprechen.