Anzeige

Uveitis

„Eine Entzündung im Auge ist ein Risiko für das Augenlicht“

Uveitis gilt als häufigste entzündliche Augenerkrankung. Chronische und hintere Formen sind bislang nicht heilbar. Mit welchen modernen Therapien es möglich ist, die Sehkraft zu erhalten, und warum eine frühzeitige und richtige Diagnose essenziell ist, erklärt Dr. med. Lynn zur Bonsen, Oberärztin des Fachbereichs Uveitis an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Von Dr. med. Lynn zur Bonsen
· 2026

Kontakt

Alimera Sciences Ophthalmologie GmbH
Web: https://alimerasciences.de/

Erschienen in

Volkskrankheiten

am 5. Mai 2026 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Volkskrankheiten zählen zu den größten gesundheitlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Allein Erkrankungen wie Herz-Kreislauf- Leiden, Krebs und Depressionen betreffen in Deutschland Millionen von Menschen – oft mit weitreichenden Folgen für...
Porträt: Dr. med. Lynn zur Bonsen
Dr. med. Lynn zur Bonsen
Frau Dr. zur Bonsen, was genau steckt hinter der Uveitis?

Bei dieser Augenerkrankung kommt es zu einer Entzündung der Gefäßhaut des Auges, der Uvea. Sie wird ausgelöst durch die Einwanderung von Immunzellen, insbesondere T-Lymphozyten, oder Erregern ins Auge. Neben Infektionen und in seltenen Fällen bösartigen Erkrankungen des Lymphsystems als mögliche Ursache tritt eine Uveitis bei etwa der Hälfte der Patienten im Rahmen von systemischen Autoimmunerkrankungen auf.

Man spricht hier auch vom „Rheuma am Auge“.

Richtig, bei der nicht infektiösen Uveitis sind dies insbesondere Erkrankungen aus der Gruppe chronisch-entzündlicher Rheumaerkrankungen wie Morbus Bechterew, Morbus Behçet, Psoriasis oder den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Ebenfalls häufig in Deutschland ist die Sarkoidose, bei der oft auch die Lunge betroffen ist. Selten kann die Uveitis auch bei einer Multiplen Sklerose oder anderen systemischen Gefäßentzündungen auftreten. Bei Kindern ist die Uveitis am häufigsten mit der juvenilen idiopathischen Arthritis assoziiert.

Welche potenziellen Folgen kann eine unbehandelte Uveitis haben?

Die Uveitis kann bis zur Erblindung führen, wenn diese beidseits auftritt. Sie stellt eine der häufigsten Gründe für eine Sehbeeinträchtigung bei Menschen im erwerbsfähigen Alter dar. Damit dies verhindert werden kann, ist vor allem eine frühzeitige Diagnosestellung wichtig. Die wichtigste Säule bei der Diagnostik ist die Untersuchung an der Spaltlampe durch Augenärzte.

Gibt es typische Symptome, die auf eine Uveitis hinweisen?

Je nach Form der Uveitis sind die Symptome unterschiedlich und insgesamt eher unspezifisch. Es kommt akut in der Regel zu einem geröteten, schmerzhaften und lichtempfindlichen Auge. Betroffene sehen hierdurch verschwommen. Bei chronischen Formen ist die Sehbeeinträchtigung schleichend. Es können ausgeprägte Flusen, Schatten oder auch Blitze auftreten.

Was macht die Versorgung der Uveitis aus Ihrer Sicht besonders herausfordernd?

Herausfordernd sind die vielfältigen Ursachen der Uveitis. Für eine erfolgreiche Therapie ist die Kenntnis dieser von großer Bedeutung. Außerdem kommt es bei circa einem Drittel der Patienten zu chronischen Formen, die eine engmaschige Betreuung über lange Zeit notwendig machen, da sonst die Entzündung im Auge immer wieder aufflammt. Bei komplizierten, immer wiederkehrenden Uveitis-Formen sollte die Vorstellung in einem spezialisierten Zentrum, wie hier an der Charité, erfolgen. So kann eine Behandlung auf dem neuesten Stand der Medizin gewährleistet werden.

 

„Uveitis kann bis zur Erblindung führen und ist eine der häufigsten Ursachen für Sehbeeinträchtigung im erwerbs­fähigen Alter –
deshalb ist die frühzeitige Diagnosestellung so wichtig.“

Welche Auswirkungen hat eine chronische Uveitis auf das Leben der Betroffenen?

Uveitis als chronische Erkrankung kann durch die herabgesetzte Sehstärke einen erheblichen Einfluss auf den Alltag der Betroffenen haben und auch der Ausübung eines Berufs im Weg stehen. Insofern sollte die Therapie ganzheitlich erfolgen und auch die psychosoziale Beratung der Patienten und Angehörigen beinhalten. In diesem Bereich leisten auch Selbsthilfegruppen, Uveitis-Gesellschaften wie die DUAG e. V. und die Uveitis e. V. und Beratungsstellen für Menschen mit Seheinschränkungen wertvolle Arbeit.

Welche Therapieoptionen gibt es für die nicht infektiöse Uveitis?

Hierfür stehen lokale sowie systemische Therapien zur Verfügung. Für die vordere Form der Uveitis werden Kortison-Augentropfen sowie Augentropfen zur Erweiterung der Pupille verordnet, damit diese nicht mit der Linse im Rahmen der Entzündung verklebt. Die Therapie der mittleren und hinteren Form der Uveitis erfolgt akut entweder mittels Kortison-Tabletten oder, bei schweren Fällen, Kortison-Infusionen. Insbesondere bei der Komplikation des Makulaödems können auch Kortison-Implantate ins Auge eingebracht werden. Als Dauer-Therapie nach dem akuten Schub kann es notwendig sein, immunmodulierende Therapien für mehrere Monate zu geben.

Injektionen, Tabletten oder Implantat: Für wen kommt welche Behandlungsform infrage?

Die zu bevorzugende Therapie, welche sich an nationalen Leitlinien orientiert, hängt vom Alter der Patienten sowie der Form der Uveitis ab. Die systemische immunmodulierende Therapie mit Tabletten oder Selbstinjektionen unter die Haut wird insbesondere bei jüngeren Menschen mit einem beidseitigen chronischen Befund empfohlen. Hingegen sind die lokalen Kortison-Implantate, welche ins Auge eingebracht werden, eine Therapieoption bei Kontraindikationen gegen eine systemische Therapie. Hier wird unterschieden zwischen einem kurzwirksamen und einem länger wirkenden Kortison-Implantat. Außerdem können sie primär oder additiv bei eher einseitigen Befunden oder einem zentralen Makulaödem eingesetzt werden. Dies kommt insbesondere für ältere Patienten mit Kunstlinse infrage, da die lokale Kortisontherapie als Hauptnebenwirkung eine Eintrübung der Linse, sprich Grauer Star, verursachen kann.

Was ist nach der Behandlung zu beachten?

Im Rahmen der systemischen Therapie muss eine regelmäßige Überwachung durch Ärzte der Inneren Medizin erfolgen, inklusive Blutentnahmen. Bei der lokalen Kortison-Implantat-Therapie sollte regelmäßig der Augeninnendruck kontrolliert werden, da dieser nach Injektion ansteigen kann. Gegebenenfalls müssen Augentropfen appliziert werden oder sehr selten Augenoperationen erfolgen, um diesen wieder zu senken.

Wie wichtig sind Therapieadhärenz und Kontrollen?

Regelmäßige Kontrollen bei chronischer Uveitis sind entscheidend, da Langzeit-Komplikationen schleichend entstehen können. Insbesondere stellt der Übergang von der Kindersprechstunde ins Erwachsenenalter eine kritische Phase dar, in der man Patienten „verlieren“ kann. Die richtige Aufklärung über das Krankheitsbild, gemeinsame Therapieentscheidungen sowie eine gute Arzt-Patienten-Beziehung sind essenziell, genauso wie weitere Fortschritte in der Therapie der Uveitis.

Schon gewusst?

Die Gefäßhaut Uvea liegt zwischen der Lederhaut und der Netzhaut und besteht aus der Regenbogenhaut, dem Ziliarkörper und der Aderhaut. Sie versorgt das Auge mit Nährstoffen, reguliert den Lichteinfall und ermöglicht die Akkommodation (Nah- und Fernsicht des Auges). Entzündungen der Uvea werden als Uveitis bezeichnet und können das Sehvermögen gefährden.