Krampfadern im Unterschenkel

Venenschwäche

Ist Stehen besser als Sitzen?

Ob Besenreiser oder Krampfadern: Schätzungsweise neun Millionen Menschen leiden hierzulande unter schwachen Venen. In den meisten Fällen sind Frauen davon betroffen. Doch was steckt hinter diesem Phänomen, und durch welche Verhaltensmaßnahmen lässt sich den Beschwerden vorbeugen?

Tobias Lemser
· 2025

Endlich Frühling! Endlich die perfekte Zeit, anstatt zu Jeans zum luftigen Kleid zu greifen. Während ihm viele Frauen schon seit Längerem entgegenfiebern, sorgt dies bei anderen eher für Zurückhaltung – Stichwort Krampfadern, auch Varizen genannt, die genau dann sichtbar würden. Nicht wenige Betroffene stören sich so sehr daran, dass sie ihre nackten Beine niemals in der Öffentlichkeit zeigen würden.

Erschienen in

Ladies First!

am 27. Mai 2025 in „freundin“
Wussten Sie, dass Ihr Herz anders schlägt als das eines Mannes? Kennen Sie die besten Tipps, um Venen fit zu halten? Schon mal was davon gehört, dass Frauen häufiger von einer Gürtelrose betroffen sind? Oder sind Ihnen Ihre genetischen Vorteile für mehr Longevity bewusst?...

 

85 Prozent des gesamten Blutvolumens befinden sich im Venensystem und in den Kapillaren.

 

Krampfadern: Gefahr für offenes Bein

Das Charakteristische für diese Venenerkrankung: defekte, zumeist geschlängelte, knotig erscheinende Venen, die fingerdick bläulich durch die Haut schimmern. Wichtig zu wissen: Krampfadern sind weit mehr als ein kosmetisches Problem. Denn sie können ernsthafte Komplikationen wie oberflächliche oder tiefe Venenthrombosen verursachen. Bleiben diese unbehandelt, können die Unterschenkel und Knöchel anschwellen. Möglich sind außerdem Braunverfärbungen bis hin zu offenen Wunden – was bei etwa drei bis sechs Prozent der Betroffenen der Fall ist.2 Allerdings gibt es auch Krampfadern, die unsichtbar bleiben, tief verborgen im Gewebe. Grundsätzlich können Varizen dazu führen, dass sich die Beine schwer anfühlen. Patientinnen und Patienten berichten zudem oft gegen Tagesende von juckender und spannender Haut – genauso wie von nächtlichen Wadenkrämpfen oder Schmerzen, insbesondere bei warmem Wetter. 

Zahl zum Staunen

Die „Bonner Venenstudie“ fand im Jahr 2002 heraus, dass mehr als die Hälfte der Frauen und fast ein Drittel der Männer Venenerkrankungen in unterschiedlichem Schweregrad haben.3

Venenschwäche durch Hormone und Veranlagung

Wie es zu dieser Venenschwäche kommt? Ursache – wie auch bei Besenreisern, die sich durch feine, rötliche oder bläuliche Verästelungen unter der Haut zeigen – können eine angeborene Bindegewebsschwäche oder Bewegungsmangel sein. Infolgedessen dichten die Venenklappen nicht mehr richtig ab. Faktoren wie zunehmendes Alter, familiäre Veranlagung, starkes Übergewicht und eine tiefe Beinvenenthrombose erhöhen das Risiko für Krampfadern. Zumeist treten sie erstmalig in der Schwangerschaft auf. Durch die hormonell bedingten Veränderungen des Körpergewebes und das zusätzliche Gewicht kann das Blut aus den Beinvenen schlechter abfließen. Überhaupt gehören Hormone zu den Hauptfaktoren, weshalb Frauen häufiger als Männer Venenleiden haben. Denn die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron sind wichtige Botenstoffe, um etwa Gefäße zu erweitern und Gewebe zu dehnen. Sie können auch dazu beitragen, dass die Venenwände erschlaffen und die Funktion der Venenklappen gestört wird.

Prävention: Bewegung ist alles

Nur was lässt sich für eine optimale Venengesundheit präventiv tun? Anstatt etwa im Büro zu sitzen, besser auf einen Stehtisch ausweichen? Dieser Frage gingen australische Forschende nach. In ihrer letztjährig im „International Journal of Epidemiology“ veröffentlichten Studie wurde deutlich, dass vermehrtes Stehen die kardiovaskuläre Gesundheit im Vergleich zum Sitzen nicht verbessert.4 Stehen erhöht sogar das Risiko für kreislaufbedingte Probleme wie Krampfadern und tiefe Venenthrombosen. Professor Emmanuel Stamatakis, Direktor des Mackenzie Wearables Research Hub, rät stattdessen: „Machen Sie regelmäßig Pausen, gehen Sie spazieren, legen Sie bei langen Autofahrten Pausen ein, oder nutzen Sie die Mittagspause, um sich zu bewegen.“

Entstehen dennoch Varizen, die entfernt werden sollten, stehen neben der chirurgischen Methode, dem Stripping-Verfahren, hochmoderne Techniken, wie die Laserbehandlung, zur Verfügung. Oft sind die Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Wochen deutlich rückläufig oder verschwinden sogar gänzlich – was letztlich auch den Griff in den Kleiderschrank erheblich erleichtert.

Checkliste

Wie lassen sich Krampfadern vorbeugen?

  • Regelmäßige sportliche Betätigung, wie Walken oder Fahrradfahren, stärkt die Wadenmuskulatur und somit auch den Blutrückfluss.
  • Achten Sie darauf, Ihre Füße beim Sitzen nicht übereinanderzuschlagen, sondern sie stattdessen flach nebeneinander auf dem Boden abzustellen.
  • Vermeiden Sie Übergewicht, um die Venen nicht zusätzlich zu belasten.
  • Brausen Sie nach der morgendlichen Dusche beide Beine abschließend mit kaltem Wasser ab.

Fazit

Krampfadern sind keine reine Schönheitsfrage, sondern können ernste Folgeprobleme verursachen. Reines Stehen ist keine Lösung – regelmäßige Bewegung, aktive Pausen und Wechsel der Position schützen die Venen besser als langes Sitzen oder Stehen. Frauen sind hormonbedingt häufiger betroffen. Genetische Veranlagung und Alter spielen zusätzlich eine Rolle. Bei ausgeprägten Beschwerden bieten moderne Verfahren wie Lasertherapie wirksame Behandlungsmöglichkeiten.