Es ist die Volkskrankheit Nummer eins in Deutschland und der häufigste Grund für Fehlzeiten im Job: Rückenschmerzen. Laut einer im Januar veröffentlichten Studie der Krankenkasse DAK fielen 21,2 Prozent der Diagnosen bei Krankschreibungen im vergangenen Jahr auf Rückenleiden – ein Zuwachs um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Studie stützt sich auf die Zahlen von rund 2,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten.
Rückenschmerzen – den Patienten im Fokus
Die gute Nachricht: In den meisten Fällen steckt nichts Schlimmes dahinter. Um Rückenschmerzen jedoch richtig behandeln zu können, braucht es eine klinische Untersuchung. Zwar kann ein MRT eine zusätzliche Diagnosehilfe bedeuten, allerdings sollten – trotz neuester und bestmöglicher Aufnahmen – bildgebende Verfahren nicht allein den Ausschlag darüber geben, wie die Therapie letztlich aussieht. Gerade bei jüngeren Patienten sieht man häufig bereits Veränderungen an der Wirbelsäule, obwohl bis dato noch keine Schmerzen aufgetreten sind. Umgekehrt gibt es jedoch auch Patienten, die große Beschwerden haben, ohne Auffälligkeiten im MRT zu haben. Heißt also: Anstatt anhand von Bildern zu operieren, sollten in jedem Fall die Bedürfnisse des Patienten im Mittelpunkt stehen.
Schmerzbehandlung über die Augen
Einen ganz neuen Weg, Rückenschmerzen zu bekämpfen, gingen Forscher der Ruhr-Universität Bochum. Ziel des Teams um Prof. Martin Diers war herauszufinden, inwieweit sich der Schmerz verändert, wenn Betroffene ihren eigenen Rücken über eine Videokamera genau betrachten – mit verblüffenden Resultaten. Denn das alleinige einminütige Anschauen des eigenen Kreuzes per Echtzeitvideo sorgte dafür, dass die Schmerzintensität bei den Betroffenen mit chronischem Rückenschmerz gesenkt wurde. Anders, wenn sie das Video eines anderen Patienten anschauten: In diesem Fall war keine Änderung festzustellen.
Was dahintersteckt? Dier und sein Team begründen diese Erkenntnisse mit der Funktionsweise der Reizverarbeitung. In Verbindung mit den visuellen Informationen nimmt der Mensch die Reize viel höher aufgelöst wahr, als wenn diese zusätzliche Quelle fehlt. Dies könnte künftig nicht nur dabei helfen, die Schmerzquelle einzugrenzen, sondern die Behandlung chronischer Schmerzen generell zu verbessern.
Quellen:
www.physio-deutschland.de
www.rheuma-liga.de
www.dwg.org