Wie entstehen Volkskrankheiten? Was begünstigt ihre Entstehung und Häufigkeit? Welche Rolle spielen unsere Gene? Welchen Einfluss haben Umwelteinflüsse, denen wir ausgesetzt sind, soziale Faktoren oder unser Lebensstil? Können wir uns vor Krankheiten schützen? Wie können sie frühzeitig erkannt werden? Dies sind Fragen, die Gegenstand der jetzigen Forschung sind. Denn über die Hintergründe der Entstehung und der Verbreitung von Volkskrankheiten ist längst noch nicht alles bekannt. Geläufig sind jedoch deren prominenteste Vertreter, die irgendwann im Leben zuschlagen können – seien es Diabetes Typ 2, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenschmerzen beziehungsweise Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Rheuma, aber auch psychische Erkrankungen wie Depressionen. Die Nase vorn haben ganz eindeutig Herz-Kreislauf-Erkrankungen, immerhin sind sie in Deutschland – vor Krebs – die häufigste Todesursache.
Volkskrankheiten bleiben eine Herausforderung in der Gesundheitsforschung.
Risikofaktor Alter
Der Begriff der Volkskrankheiten ist nicht einheitlich definiert, umfasst aber Krankheiten, die aufgrund ihrer großen Verbreitung und wirtschaftlichen Auswirkungen von hoher gesellschaftspolitischer Bedeutung sind. Volkskrankheiten verursachen eine hohe Krankheitslast in Form von Arbeitsunfähigkeit, krankheitsbedingten Fehlzeiten und Pflegebedürftigkeit. Die Kosten für das Gesundheitssystem sind immens.
Bei vielen Volkskrankheiten nehmen die Erkrankungszahlen merklich zu, wie der Blick auf die Statistiken zeigt: So wird zum Beispiel bis zum Jahr 2050 ein Anstieg der Anzahl an Schlaganfällen um rund 62 Prozent erwartet. Was im ersten Moment besorgniserregend erscheint, ist nicht unbedingt eine schlechte Nachricht. Ein wesentlicher Risikofaktor ist nämlich in vielen Fällen das Alter. Dank der verbesserten Lebensbedingungen und der Fortschritte in der Medizin steigt die Lebenserwartung kontinuierlich. Im Jahr 2050, so Schätzungen, wird in Deutschland jeder Dritte 65 oder älter sein. Mit höherem Lebensalter nimmt auch die Zahl der Menschen zu, die an Volkskrankheiten leiden.
Oft ist eine Volkskrankheit, die nicht nur die Gesundheit, sondern auch das tägliche Leben stark beeinträchtigen kann, Risikofaktor für eine andere. Wie etwa im Fall von beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen – genauer: hoher LDL-Cholesterinwert – in Bezug auf die Koronare Herzkrankheit (KHK). Ein krankes Herz wiederum erhöht das Risiko für einen Schlaganfall und Herzinfarkt. Bluthochdruck, von dem rund 20 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind, steigert auch das Risiko für Demenz.
Letztendlich trägt aber auch jeder Einzelne von uns Verantwortung, denn die meisten gesundheitlichen Probleme sind hausgemacht. Ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Stress und Tabakkonsum gefährden die Gesundheit drastisch. Bei Krankheiten nach dem „Selbst schuld“-Prinzip spricht man von Zivilisationskrankheiten. Schätzungen zufolge beruht die Hälfte aller Todesfälle in Deutschland auf vermeidbaren Risiken.