Seit Mitte März arbeiten wir nun schon zu Hause, halten die Telefonkonferenz am Küchentisch ab, schreiben Mails vom Sofa aus und telefonieren vom Bett aus mit dem Chef – Corona zwang uns und Millionen Deutsche ins Homeoffice; viele sind bis heute nicht wieder an ihre Schreibtische in der Firma zurückgekehrt. Und aufgrund der exponentiell steigenden Zahlen werden wir in diesem Winter wohl weiterhin von Zuhause aus arbeiten. Ergonomisch geformt, auf die individuellen Bedürfnisse anpassbar und haltungsschonend sind Küchentisch und Couch allerdings nicht. Für das gemeinsame Mittagessen oder den Filmabend sind sie zwar ideal – zum Arbeiten am Computer allerdings nicht geeignet. Und das hat Folgen: Immer mehr Deutsche klagen über Rückenschmerzen. Zwar kennen fast 90 Prozent der deutschen Arbeitnehmer den Kreuzschmerz, ergab eine Umfrage der Krankenkasse Pronova BKK unter fast 2.000 Arbeitnehmern. In den vergangenen Monaten hätten sich Rückenleiden jedoch, bedingt durch die ungeeigneten Arbeitsplätze zu Hause, aber auch durch Stress und Zukunftssorgen, bei jedem Dritten verschärft, hat eine Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Juni festgestellt.
Vielfältige Ursachen
Vor allem Frauen sind betroffen: 64 Prozent der Frauen in Deutschland klagen über regelmäßige Schmerzen an der unteren Wirbelsäule, am Übergang zum Kreuzbein, unterhalb des Rippenbogens und oberhalb des Gesäßes. Die Ursachen sind vielfältig: Meist ruft eine Beeinträchtigung des Stütz- und Bewegungsapparates die Schmerzen hervor. Bedingt wird diese Beeinträchtigung durch Bewegungsmangel, Verspannungen sowie eine untrainierte Muskulatur – das Zusammenspiel von Knochen, Bändern, Bandscheiben, Muskeln und Nerven wird dadurch gestört. Aber auch Stress, Zukunftsängste, Sorgen und Depressionen können Rückenschmerzen auslösen. Derzeit verstärkt die Corona-Pandemie diese Faktoren noch: Der provisorische Arbeitsplatz am Küchentisch ist alles andere als haltungsschonend. Zudem bewegen sich viele Menschen zu Hause weniger – der Weg zur Arbeit mit dem Rad, der Mittagsspaziergang zur Kantine sowie der Gang zu Kollegen und Besprechungen fehlen. Gleichzeitig haben Frauen den Haushalt im Griff und kümmern sich um das Homeschooling der Kinder – Stress pur.
Was hilft gegen Rückenschmerzen?
Abhilfe bei anhaltenden Rückenschmerzen schafft Bewegung. Sie stärkt die Rückenmuskulatur, schmiert die Gelenke und massiert die Bandscheiben. Im Homeoffice sollten Frauen – und natürlich auch Männer – deshalb regelmäßig aufstehen. Telefonate können zum Beispiel im Stehen geführt werden. Daneben hilft aber auch das regelmäßige Wechseln der Sitzposition. Auch ein Sitzball bietet Abwechslung. Und wer nach dem Mittagessen einen Spaziergang einlegt oder zum Bäcker oder Supermarkt mit dem Rad statt mit dem Auto fährt, entspannt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Psyche.
Quellen:
Frauenärzte im Netz: Rückenschmerzen
Stiftung Warentest: So beugen Sie Rückenschmerzen vor
t-online.de: Drohen dauerhafte Schäden im Homeoffice?