Kalt duschen, ausgewogen ernähren, viel Flüssigkeit aufnehmen, keinen negativen Stress aufkommen lassen und mindestens sieben Stunden schlafen: Es gibt vieles, um unser Immunsystem in Schwung zu halten. Wer möchte schon Krankheitserregern wie Bakterien, Viren und Pilzen die Hoheit über unseren Körper überlassen?
Billionen an Lymphozyten
Eines ist klar: Unser Immunsystem ist ein wahres Wunderwerk, das sich über unseren gesamten Körper verteilt, um uns vor Eindringlingen zu schützen. Unklar war jedoch bislang, wie viele Immunzellen es genau gibt. Dieser Frage ist ein Forschungsteam um Ron Sender vom Weizmann-Institut für Wissenschaften in Israel in einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie auf den Grund gegangen. Die Auswertung ergab, dass das Immunsystem eines erwachsenen Mannes aus etwa 1,8 Billionen Zellen besteht. Auf seine durchschnittlich 73 Kilogramm Körpergewicht kommen insgesamt 1,2 Kilogramm an Immunzellen. Eine 60 Kilogramm schwere Frau besitzt dagegen rund 1,5 Billionen Immunzellen, die zusammen etwa ein Kilogramm wiegen. Lymphozyten, hauptsächlich in den Lymphknoten und der Milz ansässig, sind unter den Immunzellen die wichtigste Gruppe und haben zahlenmäßig den größten Anteil. Zu ihnen gehören T-Zellen, B-Zellen, natürliche Killerzellen und Plasmazellen.
Moderates Training
In der ersten Abwehrreihe als mechanischer Schutzwall stehen vor allem unsere Haut und Schleimhäute etwa in Mund und Nase. Dank bakterienhemmender Substanzen in Mundspeichel, Atemwegen und Tränenflüssigkeit sind sie in der Lage, Erreger schon früh auszuschalten, indem sie unter anderem die Zellwände von Bakterien zerstören.
Ausschlaggebend ist jedoch die innere Immunabwehr, welche wir ganz gezielt etwa durch Sport trainieren können. Besonders immunstimulierend wirkt Fachleuten zufolge mäßiges Ausdauertraining, bei dem man sich noch unterhalten können sollte. Moderate Bewegung sorgt unter anderem dafür, dass so entscheidende Player des Immunsystems wie Milz und Lymphknoten besser durchblutet werden, was sie leistungsfähiger macht.
Wie kann man sein Immunsystem stärken?
Inwieweit Ballaststoffe eine Stärkung des Immunsystems bewirken, haben Forschende des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg in einer letztjährig durchgeführten Studie untersucht: Ihr Ziel war es herauszufinden, wie gut das erlernte Immunsystem von menschlichen Probanden nach fünf Tagen mit einer ballaststoffreichen Diät und weitere fünf Tage danach mit einer ballaststoffarmen funktionierte. Dabei stellten sie fest, dass durch die ungesunde Ernährung bei den Probanden die T-Zellen-Konzentration sank. Zudem vermuten sie, dass das Immunsystem nach der ballaststoffarmen Ernährung geschwächt war, weil die Darmbakterien keine Nahrung bekamen.
Ähnlich die Ergebnisse des Bonner Forschers Andreas Schlitzer, der den Darmbakterien eine Schlüsselfunktion zuschreibt. Vor allem wie schnell die menschlichen Probanden auf die Ernährungsänderungen reagieren, war für die Forschenden überraschend – im Positiven wie im Negativen. Das heißt zum einen, dass man bereits nach wenigen Tagen mit ballaststoffarmer Ernährung leichter erkrankt, und zum anderen, dass das Immunsystem bereits nach wenigen Tagen mit vielen Vollkornprodukten, Obst und Gemüse wieder gestärkt wird.
Angriff auf eigene Zellen
Doch nicht nur von außen lauern Gefahren, auch im Körperinneren gibt es Feinde – ungünstig nur, wenn es die eigenen Körperzellen sind, die als fremd erkannt werden. Stichwort Autoimmunerkrankungen, zu denen auch neuroimmunologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose zählen. Die gute Nachricht für Betroffene: In den vergangenen Jahren haben sich die therapeutischen Möglichkeiten rasant weiterentwickelt, genauso wie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, wozu zum Beispiel Colitis ulcerosa gehört und HIV – ein Paradebeispiel für Infektionskrankheiten mit gravierenden Auswirkungen auf das Immunsystem. Glücklicherweise ist dessen Schrecken vergangener Jahrzehnte verflogen. Denn immer mehr HIV-Infizierte erhalten inzwischen eine antiretrovirale Behandlung, um die Vermehrung der Viren im Körper zu unterdrücken – mit dem Ziel, dass das Virus weder im Blut nachweisbar noch durch Sperma oder Vaginalsekret übertragbar ist. Und: Beginnt die Therapie rechtzeitig, bestehen gute Chancen, bei guter Lebensqualität beinahe genauso alt zu werden wie gesunde Menschen. Dennoch ist weitere Forschungsarbeit immens wichtig, um noch mehr dieser Erkrankungen rund um das Immunsystem besser therapieren beziehungsweise durch passende Impfungen – wie etwa bereits bei Gürtelrose geschehen – gar nicht erst entstehen zu lassen.
Quellen:
Stiftung Gesundheitswissen: So funktioniert unser Immunsystem
Quarks: Alle krank: Ist unser Immunsystem im Arsch?